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Grippe-Langzeitfolgen
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»Long Flu« – neue Erkenntnisse zu einem alten Phänomen

Long Covid ist mittlerweile in aller Munde. Über Langzeitfolgen der Grippe wird hingegen weniger geredet. Nun haben Forschende die beiden Phänomene verglichen.
AutorKontaktdpa
Datum 15.12.2023  14:00 Uhr

Ähnlich wie eine SARS-CoV-2-Infektion kann auch eine Grippeinfektion schwerwiegende Langzeitfolgen haben. Darauf weisen US-Forscher im Fachjournal «The Lancet Infectious Diseases» hin. Sie hatten die gesundheitliche Entwicklung von Patienten, die wegen Covid-19 oder Grippe ins Krankenhaus eingewiesen wurden, über einen Zeitraum von 18 Monaten beobachtet und miteinander verglichen.

Die Gruppe um Professor Dr. Ziyad Al-Aly von der Washington University School of Medicine in St. Louis (Missouri, USA) stellte dabei unter anderem fest, dass sowohl bei Covid-19 als auch bei Influenza in der akuten Phase (bis 30 Tage nach Infektionsbeginn) das Risiko für bestimmte schwere gesundheitliche Probleme geringer war als in der Zeit danach. Im Durchschnitt war das Risiko schwerwiegender Langzeitfolgen nach einer Coronainfektion höher als nach einer Grippe.

Al-Aly und Kollegen nennen die langwierigen Auswirkungen der Influenza Long Flu, wobei Flu die Kurzform des englischen Begriffs für Grippe ist. Für die langwierigen Folgen von Covid-19 hat sich auch in Deutschland der Begriff Long Covid eingebürgert.

»Eine wichtige Lektion, die wir von SARS-CoV-2 gelernt haben, ist, dass eine Infektion, von der ursprünglich angenommen wurde, dass sie nur eine kurze Krankheit verursacht, auch zu einer chronischen Krankheit führen kann«, wird Al-Aly in einer Uni-Mitteilung zitiert.

Beide Virusinfektionen kosten gesunde Lebensjahre

Nicht im Fokus der Studie stand die Frage, wie häufig Long Covid oder Long Flu bei Klinikpatienten auftreten. Die Forschenden wollten wissen, ob und in welchem Ausmaß Menschen mit Grippe auch langfristige gesundheitliche Probleme haben. Sie untersuchten die Fälle von 81.280 Patienten, die zwischen dem 1. März 2020 und dem 30. Juni 2022 wegen Covid-19 in ein Krankenhaus eingeliefert wurden. Deren gesundheitliche Entwicklung verglichen sie mit der von 10.985 Patienten, die zwischen 1. Oktober 2015 und 28. Februar 2019 wegen einer Influenza im Krankenhaus behandelt wurden.

In den jeweils betrachteten 18 Monaten hatten Covid-19-Patienten gegenüber Grippepatienten ein um 51 Prozent erhöhtes Risiko zu sterben (28,46 Fälle gegenüber 19,84 Fällen pro 100 Personen). Das Gesundheitsrisiko war für Coronapatienten in neun von zehn betrachteten Organsystemen höher als für Grippepatienten. Lediglich mit Blick auf die Lunge hatten Grippepatienten ein höheres Risiko negativer gesundheitlicher Folgen. Die Anzahl verlorener gesunder Lebensjahre (DALY – Disability-Adjusted Life Years) lag in der Grippegruppe bei 242,66 pro 100 Personen, in der Covid-19-Gruppe bei 287,43.

»Die Vorstellung, dass Covid-19 oder Grippe nur akute Krankheiten sind, übersieht ihre größeren langfristigen Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit«, betonte Al-Aly. Mediziner müssten sich stärker bewusst machen, dass Virusinfektionen eine bedeutende Ursache für chronische Krankheiten sind.

Sowohl bei Covid-19 als auch bei der saisonalen Grippe könnten Impfungen dazu beitragen, schwere Krankheitsverläufe zu verhindern und das Risiko von Krankenhausaufenthalten und Todesfällen zu verringern, sagte Al-Aly. »Die Optimierung der Impfquote muss für Regierungen und Gesundheitssysteme auf der ganzen Welt weiterhin Priorität haben.« Dies gelte besonders für gefährdete Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

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