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Neue Daten

Long Covid bei Geimpften seltener

Schützt eine Impfung vor Long-Covid-Symptomen? Klare Aussagen zu dieser wichtigen Frage sind nach wie vor kaum möglich. Allerdings weisen neue Daten aus Israel und Großbritannien darauf hin, dass die Impfung tatsächlich das Risiko für Langzeitsymptome nach einer Erkrankung senken kann.
Theo Dingermann
27.01.2022  16:30 Uhr

Die Risikofaktoren für die Entwicklung von Langzeitsymptomen nach Covid-19 (Long Covid) sind nach wie vor nicht vollständig bekannt. Sicherlich scheinen ein höheres Alter, bestimmte Vorerkrankungen oder eine Immunsuppression mit einem erhöhten Risiko für Long Covid in Verbindung zu stehen. Unklarer ist jedoch, ob nicht eine Covid-19-Impfung diese Risiken senken könnte.

In der aktuellen Studie, die an der Bar-Ilan University in Safed, Israel, durchgeführt und jetzt als Preprint veröffentlicht wurde, befragten die Wissenschaftler Personen, die zwischen März 2020 und November 2021 auf eine SARS-CoV-2-Infektion getestet wurden, zu aktuellen Symptomen im Nachgang zu dieser Untersuchung.

Die am häufigsten berichteten Symptome waren Fatigue (22 Prozent), Kopfschmerzen (20 Prozent), Abgeschlagenheit (13 Prozent) und anhaltende Muskelschmerzen (10 Prozent). Insgesamt wurden die Daten von 951 infizierten und 2437 nicht infizierten Personen analysiert. Von den infizierten Personen waren 637 (67 Prozent) geimpft.

Deutliche Reduktion des Long-Covid-Risikos durch eine Impfung

Auf Basis der bereinigten Daten konnten die Wissenschaftler feststellen, dass die Personen, die zwei Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs Comirnaty® erhalten hatten, im Vergleich zu den Ungeimpften deutlich seltener die genannten Symptome meldeten. Konkret reduzierten sich die Meldungen bei den Geimpften im Vergleich zu den Ungeimpften um 64 Prozent hinsichtlich Fatigue, um 54 Prozent hinsichtlich Kopfschmerzen, um 57 Prozent hinsichtlich Abgeschlagenheit beziehungsweise um 68 Prozent hinsichtlich anhaltender Muskelschmerzen (Risikoverhältnisse 0,36, 0,46, 0,43 und 0,32).

Zudem berichteten Personen, die zwei Impfdosen erhalten hatten, nicht häufiger über die typischen Long-Covid-Symptome als bei Personen, die nicht an Covid-19 erkrankt waren.

Aus diesen Umfrageergebnissen schließen die Wissenschaftler, dass eine Impfung mit mindestens zwei Dosen Comirnaty mit einer deutlichen Reduktion der häufigsten Post-Covid-Symptome einherging. Die Ergebnisse deuten an, dass die Covid-19-Impfung nicht nur das Risiko einer akuten Erkrankung senkt, sondern auch einen gewissen Schutz vor Long Covid entfalten kann.

Die Autoren betonen, dass diese Studie als eine Momentaufnahme zur Beurteilung der Wirksamkeit eines Covid-19-Impfstoffs gegen die Langzeitfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion zu sehen ist. Studien wie diese sollten durch Studien ergänzt werden, in denen die langfristigen gesundheitlichen Folgen bei Covid-19-Patienten in einem klinischen Umfeld objektiv gemessen werden.

Ähnliche Ergebnisse aus Großbritannien

Zu sehr ähnlichen Ergebnissen kommt eine Studie des Office for National Statistics im Vereinigten Königreich. Zusammen mit Wissenschaftlern an den Universitäten von Oxford, Southampton und Leicester wurde eine Stichprobe britischer Erwachsener im Alter von 18 bis 69 Jahren ausgewertet, die zwei Dosen eines Covid-19-Impfstoffs (entweder ein Vektorimpfstoff oder ein mRNA-Impfstoff) mindestens zwei Wochen vor einer ersten SARS-CoV-2-Infektion erhalten hatten. Für diese Gruppe lag die Wahrscheinlichkeit, mindestens zwölf Wochen nach einer Infektion Langzeitsymptome zu melden, um 41,1 Prozent niedriger als bei soziodemografisch ähnlichen Studienteilnehmern, die zum Zeitpunkt der Infektion nicht geimpft waren.

Langzeitsymptome jeglichen Schweregrads wurden von 9,5 Prozent der doppelt geimpften Studienteilnehmer gemeldet, verglichen mit 14,6 Prozent der Vergleichsgruppe. Die entsprechenden Schätzungen für Long-Covid-Symptome, die schwer genug waren, um zu einer Einschränkung der täglichen Aktivitäten zu führen, lagen bei 5,5 Prozent beziehungsweise 8,7 Prozent.

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