| Annette Rößler |
| 11.09.2026 09:00 Uhr |
In einem begleitenden Kommentar lobt Professor Dr. Jeffrey L. Saver von der University of California in Los Angeles (UCLA) zwar einige Aspekte der Studie wie die Größe und Einheitlichkeit der Kohorte, mahnt aber angesichts mehrerer Limitationen auch zur Zurückhaltung.
So seien Patienten mit mechanischer Thrombektomie ausgeschlossen gewesen, was die Aussagekraft der Ergebnisse schmälere. Zudem würden Gehirnzellen bei einem Schlaganfall nicht nur durch die Minderdurchblutung geschädigt, sondern auch durch die plötzliche Wiederdurchblutung. Wegen der relativ langen Behandlungsdauer von zehn Tagen könne man anhand dieser Studie aber nicht sagen, welchen dieser Prozesse Loberamisal genau beeinflusse und ob sich die Therapie gegebenenfalls auch verkürzen lasse. Da ausschließlich asiatische Patienten eingeschlossen waren, sei die Übertragbarkeit auf andere Ethnien nicht gesichert.
Am schwersten wiegt für den Kommentator jedoch ein grundlegender Zweifel. Saver hält die Ergebnisse schlicht für zu gut, um wahr zu sein. Die Größenordnung des Effekts entspreche der einer frühen Thrombolysetherapie, müsste aber aller Erfahrung nach deutlich geringer sein. Dass zu Loberamisal zuvor lediglich die Ergebnisse einer einzigen Laborstudie publiziert worden seien und der Wirkstoff somit offensichtlich nicht das ansonsten geforderte rigorose präklinische Prüfungsprogramm durchlaufen habe, mehren seine Skepsis.
Die von den Autoren der Originalpublikation geforderte Prüfung des Wirkstoffs in weiteren Studien hält daher auch Saver für dringend geboten, »um diese äußerst verlockenden Ergebnisse zu untermauern«.