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Phase-III-Studie
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Loberamisal fördert Erholung nach Schlaganfall

Nach einem ischämischen Schlaganfall soll der neue Wirkstoff Loberamisal die Gewebeschädigung eindämmen und die Erholung verbessern. In einer Phase-III-Studie führte die Gabe von Loberamisal tatsächlich zu einer höheren Rate an Patienten mit vollständiger Erholung.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 11.09.2026  09:00 Uhr

Bei einem ischämischen Schlaganfall sind Teile des Gehirns infolge der Verstopfung eines Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel von der Sauerstoffversorgung abgeschnitten. Dadurch wird Gehirngewebe geschädigt und Patienten können neurologische Einschränkungen zurückbehalten, selbst wenn es recht schnell gelingt, den Thrombus zu beseitigen. Es besteht somit ein Bedarf an Wirkstoffen, die einerseits das Gehirngewebe vor der Hypoxie-bedingten Schädigung schützen (Neuroprotektiva) und andererseits die Erholung geschädigter Zellen begünstigen (Neuroreparativa).

Loberamisal ist ein neuer Wirkstoff, der diese Aufgaben übernehmen soll. Wie einer aktuellen Publikation im Fachjournal »JAMA« zu entnehmen ist, hat das small Molecule zwei Targets: den Postsynaptic-Density-95-(PSD-95-)Signalweg und den α2-γ-Aminobuttersäure-Typ-A-(GABAA-)Rezeptor. Forschende um Dr. Shuya Li von der Capital Medical University in Peking berichten in der Arbeit über die Ergebnisse der Phase-III-Studie LAIS (Loberamisal for Acute Ischemic Stroke).

Duale Wirkung bei ischämischem Schlaganfall

Auf zellulärer Ebene laufen bei einem Schlaganfall im minderdurchbluteten Gewebe verschiedene Prozesse ab. Unter anderem wird infolge einer Überaktivierung von NMDA-Rezeptoren verstärkt PSD-95 freigesetzt, ein Gerüstprotein, das zusammen mit der neuronalen NO-Synthase (nNOS) für die Produktion von Stickstoffmonoxid (NO) gebraucht wird. In der Folge kommt es zu einer schädlichen Reizüberflutung der betroffenen Neuronen. Diese sogenannte Exzitotoxizität wird zusätzlich dadurch verstärkt, dass die Aktivität der inhibitorischen GABAA-Rezeptoren infolge der Ischämie beeinträchtigt ist.

Beides wird durch Loberamisal vorteilhaft beeinflusst: Der Arzneistoff stört einerseits die Wechselwirkung zwischen PSD-95 und nNOS und wirkt andererseits als positiver allosterischer Modulator am α2-GABAA-Rezeptor. Unter dem Strich resultiert eine synergistische neuroprotektive Wirkung.

Dies konnte in der LAIS-Studie gezeigt werden. Eingeschlossen waren 998 Patienten, die an 32 Kliniken in China wegen eines akuten ischämischen Schlaganfalls innerhalb von 48 Stunden nach Symptombeginn behandelt wurden. Die Teilnehmenden wiesen im Median einen Wert von 8 Punkten auf einer Skala von 0 bis 42 auf, mit der die Schwere eines Schlaganfalls erfasst wird (National Institutes of Health Stroke Scale, NIHSS). Zusätzlich zur üblichen medizinischen Versorgung erhielten sie intravenös über zehn Tage entweder 40 mg Loberamisal täglich oder Placebo. Der primäre Endpunkt war eine vollständige funktionelle Erholung (modifizierte Rankin-Skala, mRS 0 bis 1) innerhalb von 90 Tagen.

Dieses Ergebnis erreichten in der Loberamisal-Gruppe 350 von 502 Patienten (69,7 Prozent) und in der Kontrollgruppe 279 von 495 (56,3 Prozent). Art und Häufigkeit der unerwünschten Ereignisse waren in beiden Studienarmen ähnlich, weshalb die Autoren von »beruhigenden« Sicherheitsdaten sprechen. Auf die Gesamtsterblichkeit hatte Loberamisal keinen nennenswerten Einfluss; diese betrug in der Verumgruppe 1,2 Prozent und in der Placebogruppe 2,0 Prozent.

Kommentator benennt mehrere Kritikpunkte

In einem begleitenden Kommentar lobt Professor Dr. Jeffrey L. Saver von der University of California in Los Angeles (UCLA) zwar einige Aspekte der Studie wie die Größe und Einheitlichkeit der Kohorte, mahnt aber angesichts mehrerer Limitationen auch zur Zurückhaltung.

So seien Patienten mit mechanischer Thrombektomie ausgeschlossen gewesen, was die Aussagekraft der Ergebnisse schmälere. Zudem würden Gehirnzellen bei einem Schlaganfall nicht nur durch die Minderdurchblutung geschädigt, sondern auch durch die plötzliche Wiederdurchblutung. Wegen der relativ langen Behandlungsdauer von zehn Tagen könne man anhand dieser Studie aber nicht sagen, welchen dieser Prozesse Loberamisal genau beeinflusse und ob sich die Therapie gegebenenfalls auch verkürzen lasse. Da ausschließlich asiatische Patienten eingeschlossen waren, sei die Übertragbarkeit auf andere Ethnien nicht gesichert.

Am schwersten wiegt für den Kommentator jedoch ein grundlegender Zweifel. Saver hält die Ergebnisse schlicht für zu gut, um wahr zu sein. Die Größenordnung des Effekts entspreche der einer frühen Thrombolysetherapie, müsste aber aller Erfahrung nach deutlich geringer sein. Dass zu Loberamisal zuvor lediglich die Ergebnisse einer einzigen Laborstudie publiziert worden seien und der Wirkstoff somit offensichtlich nicht das ansonsten geforderte rigorose präklinische Prüfungsprogramm durchlaufen habe, mehren seine Skepsis.

Die von den Autoren der Originalpublikation geforderte Prüfung des Wirkstoffs in weiteren Studien hält daher auch Saver für dringend geboten, »um diese äußerst verlockenden Ergebnisse zu untermauern«.

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