| Daniela Hüttemann |
| 07.08.2026 16:20 Uhr |
Es sind vor allem der Rechercheaufwand und die Kommunikation, ob mit der Apotheke oder dem Patienten selbst, die den Ärzten mehr Aufwand bei Lieferengpässen bescheren. / © Getty Images/Ivanko_Brnjakovic
Wohl jeder Arzt und jede Apothekerin in Deutschland weiß, dass die offizielle Lieferengpass-Datenbank nur die Spitze des Eisbergs ist. Das beweist erneut eine Untersuchung, bei der knapp 900 Ärztinnen und Ärzte in Deutschland und Österreich zwischen November 2022 und Januar 2024 zu Lieferengpässen befragt wurden (656 in Deutschland, 190 in Österreich). Umgekehrt gab es aber auch offiziell gemeldete Engpässe, die kaum Probleme bereiteten.
Zugleich wollten Julia Maria Rotter und Professor Dr. Roland Seifert vom Institut für Pharmakologie der Medizinischen Hochschule Hannover herausfinden, welche Facharztgruppen besonders betroffen sind und wie viel zusätzliche Zeit sie aufwenden müssen, um ihre Patientinnen und Patienten dennoch zu versorgen. Gefragt wurde nach 20 häufigen Arzneistoffen, von denen 18 auf der Liste essenzieller Medikamente der Weltgesundheitsorganisation stehen.
Das Ausmaß der Betroffenheit variierte regional und hing vom Arbeitsplatz ab (niedergelassene Ärzte waren stärker betroffen als Krankenhausärzte), der Facharztrichtung und hierbei auch vom jeweiligen Medikament, berichteten Rotter und Seifert bereits im Juni im Fachjournal »Naunyn-Schmiedeberg’s Archives of Pharmacology«. So brauchte es in der Hämatologie und Onkologie im Schnitt 46 Minuten pro betroffenem Arzneistoff länger, um die Patienten zu versorgen als normalerweise. In der Psychiatrie und Nephrologie waren es jeweils 37 Minuten zusätzliche Arbeit und bei den Allgemeinärzten 28 Minuten.
Am häufigsten erforderte es mehr Zeit für eine Änderung der Verordnung und die Kommunikation mit anderen Instanzen wie den Apotheken, die ebenfalls einen hohen zusätzlichen Arbeitsaufwand haben, wie die Autoren mit Blick auf Untersuchungen der ABDA (Apothekenklima-Index 2024) betonen. Beide Berufsgruppen hätten eine deutlich erhöhte Arbeitslast durch Lieferengpässe.