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Umfrage
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Lieferengpässe kosten Ärzte 30 bis 45 Minuten pro Wirkstoff

Hämatologie und Onkologie, Psychiatrie, Nephrologie und Allgemeinmedizin – diese Disziplinen brauchten zuletzt am meisten Zeit, um Lieferengpässe zu lösen. Eine neue Untersuchung zeigt zudem erneut die Diskrepanzen zwischen offiziellen und erlebten Lieferengpässen.
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 07.08.2026  16:20 Uhr

Wohl jeder Arzt und jede Apothekerin in Deutschland weiß, dass die offizielle Lieferengpass-Datenbank nur die Spitze des Eisbergs ist. Das beweist erneut eine Untersuchung, bei der knapp 900 Ärztinnen und Ärzte in Deutschland und Österreich zwischen November 2022 und Januar 2024 zu Lieferengpässen befragt wurden (656 in Deutschland, 190 in Österreich). Umgekehrt gab es aber auch offiziell gemeldete Engpässe, die kaum Probleme bereiteten.

Zugleich wollten Julia Maria Rotter und Professor Dr. Roland Seifert vom Institut für Pharmakologie der Medizinischen Hochschule Hannover herausfinden, welche Facharztgruppen besonders betroffen sind und wie viel zusätzliche Zeit sie aufwenden müssen, um ihre Patientinnen und Patienten dennoch zu versorgen. Gefragt wurde nach 20 häufigen Arzneistoffen, von denen 18 auf der Liste essenzieller Medikamente der Weltgesundheitsorganisation stehen.

Das Ausmaß der Betroffenheit variierte regional und hing vom Arbeitsplatz ab (niedergelassene Ärzte waren stärker betroffen als Krankenhausärzte), der Facharztrichtung und hierbei auch vom jeweiligen Medikament, berichteten Rotter und Seifert bereits im Juni im Fachjournal »Naunyn-Schmiedeberg’s Archives of Pharmacology«. So brauchte es in der Hämatologie und Onkologie im Schnitt 46 Minuten pro betroffenem Arzneistoff länger, um die Patienten zu versorgen als normalerweise. In der Psychiatrie und Nephrologie waren es jeweils 37 Minuten zusätzliche Arbeit und bei den Allgemeinärzten 28 Minuten.

Am häufigsten erforderte es mehr Zeit für eine Änderung der Verordnung und die Kommunikation mit anderen Instanzen wie den Apotheken, die ebenfalls einen hohen zusätzlichen Arbeitsaufwand haben, wie die Autoren mit Blick auf Untersuchungen der ABDA (Apothekenklima-Index 2024) betonen. Beide Berufsgruppen hätten eine deutlich erhöhte Arbeitslast durch Lieferengpässe.

Am häufigsten problembereitend: Penicillin, Amoxicillin und Lorazepam

Die größten Probleme allgemein machten nach Angaben der Befragten die beiden Antibiotika Penicillin V und  Amoxicillin mit oder ohne Clavulansäure sowie Lorazepam, wobei beispielsweise die Onkologen auch mit Tamoxifen und die Kinderärzte mit Ibuprofen zeitweise große Probleme hatten.

Die von den Umfrageteilnehmern berichteten Arzneimittelengpässe stimmten nicht unbedingt mit den offiziellen Meldungen zu Arzneimittelengpässen überein. Hier müsse dringend nachgebessert werden, so ein zentraler Schluss der Autoren.

»Die Ermittlung bestimmter kritischer Arzneimittel, bestimmter Fachbereiche und definierter Faktoren, die einen hohen Zeitaufwand verursachen, bietet Ansatzpunkte für Verbesserungen. Darüber hinaus ist eine genaue Meldung von Arzneimittelengpässen durch die zuständigen Behörden wichtig.«

Eine in die Praxisverwaltungssoftware und Krankenhausinformationssysteme integrierte Online-Prüfung der Verfügbarkeit von Arzneimitteln könne möglicherweise den zusätzlichen Aufwand verringern, insbesondere beim Anrufen der Apotheke und beim Ändern von Rezepten.

Was können Ärzte selbst gegen Lieferengpässe tun?

Zudem könnte die Förderung einer umsichtigeren Verschreibungspraxis dazu beitragen, die wahrgenommenen Engpässe zu verringern; ebenso eine rationalere Verordnung. Auch könnten jeweilige Expertengruppen Alternativlisten oder Listen unverzichtbarer Arzneistoffe erarbeiten, wie dies einige Fachbereiche auch getan haben. Die Autoren nennen hier die Empfehlungen der Kinder- und Jugendärzte für eine Antibiotikatherapie sowie die Liste essenzieller Medikamente der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin.

»Mit einem Konsens über unentbehrliche Arzneimittel wird die Beschaffung ausreichender Mengen dieser Arzneimittel für alle Beteiligten – zum Beispiel Pharmaunternehmen, Bundesbehörden, Krankenhäuser, Ärzte, Krankenkassen und Apotheken – transparenter und einfacher«, postuliert das Autorenduo. Es werde auch bereits an Modellierungen gearbeitet, um die voraussichtlich benötigten Medikamente und Mengen besser zu kalkulieren.

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