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Uniklinikum Münster

Lieferengpässe haben sich vervielfältigt

Nicht nur öffentliche Apotheken, sondern auch Klinikapotheken leiden unter der zunehmenden Nicht-Lieferbarkeit von Arzneimitteln. Am Universitätsklinikum Münster hat sich die Zahl der Medikamente, bei denen es zu Lieferengpässen gekommen ist, in den vergangenen Jahren vervielfacht: von 93 im Jahr 2015 auf 357 bis Ende Juli 2019.
Maria Pues
30.08.2019
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»Durchschnittlich drei- bis viermal täglich fehlt etwas«, berichtet Chefapotheker Christoph Klaas im Rahmen eines Pressegesprächs. Die aktuelle Aufstellung umfasse mehr als vier Seiten. Zwei Mitarbeiter seien allein damit beschäftigt, sich um die fehlenden Arzneimittel oder einen Ersatz zu kümmern, sagt er. Betroffen sind fast alle Wirkstoffgruppen: von A wie Antibiotika bis Z wie Zytostatika, aber auch Pflegemittel und Spüllösungen. Die Lieferprobleme könnten sich unterschiedlich stark auswirken, so Klaas weiter. Während es im internistischen Bereich, etwa bei Blutdruckmitteln, meist leichter möglich sei, auf einen anderen Anbieter oder einen ähnlichen Wirkstoff auszuweichen, gestalte sich dies bei Chemotherapeutika weitaus schwieriger. Zu einer Verunsicherung der Patienten und einem erhöhten Erklärungsbedarf durch Ärzte und Stationsapotheker komme es in beiden Fällen.

Die Gründe für die Lieferengpässe sind vielfältig. In manchen Fällen fehlt es an den Wirkstoffen, da es weltweit nur noch wenige Wirkstoff-Produzenten gibt. Produktionsausfälle werden schnell spürbar. In anderen Fällen fehlen infolge der Umsetzung der EU-Fälschungsschutzrichtlinie Umkartons. In wieder anderen Fällen werden Arzneimittel hierzulande aufgekauft, um sie in Ländern mit höherem Preisniveau weiterzuverkaufen. »Eine einfache Lösung des Problems kann es daher kaum geben«, so Klaas.

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