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Therapieversuch

Leptin weiterhin Hoffnungsträger bei Magersucht

Zeigt sich Hebebrand bereits seit Jahren von der bedeutenden Rolle der Hypoleptinämie in der Pathophysiologie der Anorexia nervosa überzeugt, so macht er weiterhin immer wieder deutlich , dass sich aus dieser Erkenntnis neue therapeutische Ansätze entwickeln lassen. Bevor jedoch die breite Anwendung der medikamentösen Leptin-Gabe erwogen werden könne, müssten nunmehr entsprechende klinische Studien durchgeführt werden.

»Zwar bestehen initiale Kontakte zu ausgewählten Pharmafirmen. Die Suche nach Sponsoren gestaltet sich jedoch nicht leicht, da diese Studien extrem aufwendig, komplex und kostenintensiv sind«, bedauert Hebebrand. Angesichts des großen Leids der Betroffenen erhoffe er sich jedoch, dass der Druck von unten durch vermehrte Öffentlichkeit der Thematik steigt.

Das höchste Erkrankungsrisiko haben junge Frauen zwischen 15 und 25 Jahren. In dieser Risikogruppe erkranken zwischen 50 und 75 von 100.000 Frauen pro Jahr und damit circa 10- bis 20-mal mehr als Männer. In bestimmten Hochrisikogruppen wie Balletttänzerinnen und -tänzern liegt die Prävalenz noch deutlich höher. Magersucht gilt als eine der psychischen Erkrankungen mit der höchsten Mortalität.

Bei Essstörungen sollte eine medikamentöse Therapie nur in Kombination mit psychotherapeutischen Therapiemaßnahmen inklusive Bearbeitung individueller, psychischer Konflikte (Selbstwertproblematik, starkes Kontroll-Bedürfnis, extremes Leistungs- und Perfektionsstreben, Körper-Schema-Störung) erfolgen, betonte Hebebrand. Infrage kommen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder atypische Neuroleptika wie Olanzapin, die bei anhaltender Depressivität sowie ausgeprägter Zwangs- und Angststörung im Rahmen einer Anorexia nervosa trotz mangelnder Evidenz zum Einsatz kommen.

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