Pharmazeutische Zeitung online
Modellprojekte

Legaler Verkauf von Cannabis in Schweizer Apotheken

Im Rahmen von Pilotversuchen soll im kommenden Jahr freiverkäufliches Cannabis über den HV-Tisch bestimmter Schweizer Apotheken gehen. Die Modellprojekte beziehen sich vor allem auf die großen Schweizer Städte Zürich, Basel, Genf und Bern. Dort sollen Teilnehmer und Teilnehmerinnen Cannabis zum Schwarzmarktpreis beziehen können. Allerdings gibt es regulatorische Vorgaben. Die Pilotprojekte werden zudem wissenschaftlich eng begleitet.
Charlotte Kurz
27.01.2021  12:00 Uhr

In Schweizer Großstädten wird der Verkauf von Cannabis bald legal möglich sein. Im Rahmen von Pilotprojekten soll der Verkauf von Cannabis in etwa Apotheken ab 2022 starten. Dabei handelt es sich nicht um medizinisches Cannabis, das per Rezept verordnet wird, sondern um freiverkäufliches Cannabis, das Erwachsene ab 18 Jahren beispielsweise in der Apotheke kaufen können.

Laut Medienberichten könnte der Verkauf von Cannabis somit in der ersten Jahreshälfte 2022 starten. Entsprechende Pilotprojekte sollen demnach zunächst in Zürich, Bern, Genf und Basel stattfinden. Dass sich die Projekte auf einzelne Städte konzentrieren, liegt an der gesetzlichen Grundlage. Demnach seien die Modellprojekte örtlich auf eine oder mehrere Gemeinden begrenzt und dürfen nicht flächendeckend durchgeführt werden, so ein Sprecher des Bundesamts für Gesundheit (BAG) auf Anfrage der PZ. Das BAG ist das schweizerische Pendant zum Bundesgesundheitsministerium. Die Städte müssten zudem mit den Vollzugs- und Strafverfolgungsbehörden abklären, so dass der »Schutz der öffentlichen Ordnung und Sicherheit« gewährleistet werden könne.

Dabei gelten klare Regeln: Maximal 5000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dürfen pro Versuch mitmachen. Sie müssen über 18 Jahre alt sein und in der teilnehmenden Gemeinde ihren Wohnsitz haben. Zudem müssen sich die Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer mit ihrem Studienausweis ausweisen. Die Bezugsmenge ist pro Verkauf und pro Monat beschränkt. Außerdem richtet sich das Angebot an Personen, die bereits Cannabis konsumieren. Laut Medienberichten konsumieren in der Schweiz regelmäßig 200.000 Personen Cannabis. Die Einwohnerzahl liegt insgesamt bei rund 8,6 Millionen. Experten rechnen jedoch laut Medienberichten nicht damit, dass es einen großen Ansturm auf das Angebot geben wird. Eine Umfrage der Universitäten Basel, Bern, Genf und Zürich im November 2016 hat ergeben, dass nur rund die Hälfte der 3700 Befragten Restriktionen bei einem regulierten Cannabiserwerb in Kauf nehmen würden.

Seite123>

Mehr von Avoxa