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Fettstoffwechselstörungen

LDL senken, Herz-Kreislauf-Risiko reduzieren

Nicht Krebserkrankungen, sondern Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen in Deutschland die häufigsten Todesursachen dar. Einen wichtigen Risikofaktor bilden erhöhte Blutfettwerte. Dies war Thema auf dem westfälisch-lippischen Apothekertag in Münster.
Maria Pues
13.09.2021  11:00 Uhr

Mit 36,2 Prozent stellen Krankheiten des Kreislaufsystems die häufigste Todesursache in Deutschland dar, bösartige Neubildungen (Krebs) folgen mit 24,1 Prozent. Darauf wies Professor Dr. Dietmar Trenk, Freiburg, in seinem Vortrag am Samstag beim Westfälisch-Lippischen Apothekertag in Münster hin. Von allen Risikofaktoren liefere eine Senkung des Cholesterinspiegels den größten prozentualen Einzelbeitrag auf die Inzidenz der koronaren Herzkrankheit.

Die aktuellen Empfehlungen der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) empfehlen eine Senkung des LDL-Spiegels unter Berücksichtigung weiterer Risikofaktoren des Patienten: bei geringerem Risiko unter 116 mg/dl, bei moderatem Risiko auf unter 100 mg/dl, bei hohem Risiko unter 70 mg/dl und bei sehr hohem Risiko unter 55 mg/dl. Bei hohem und sehr hohem Risiko sollte der Wert zusätzlich mindestens um die Hälfte des Ausgangswertes gesenkt werden. Einen LDL-Mangel müsse man dabei nicht befürchten, sagte Trenk. Dies zeigten Menschen mit genetisch bedingt extrem niedrigen LDL-Werten. Der Körper produziere auch bei intensiver Senkung ausreichende Mengen für seinen Bedarf.

Eine Pharmakotherapie sollte laut ESC-Leitlinie mit einem hochpotenten Statin in höchster empfohlener/vertragener Dosis beginnen. Werden die Zielwerte so nicht erreicht, kann zusätzlich Ezetinib eingesetzt werden. Bleiben die Werte immer noch zu hoch, kann zusätzlich ein PCSK9-Inhibitor erwogen werden.

Auch ältere Patienten profitierten von einer Statintherapie, führte Trenk weiter aus. So erfolgt in der Sekundärprophylaxe älterer Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen die Statintherpie ebenso wie bei Unter-65-Jährigen. In der Primärprophylaxe ist sie bei älteren Patienten (65 bis 75 Jahre) ohne vorherige kardiovaskuläre Erkrankungen ebenfalls angezeigt, bei Über-75-Jährigen, wenn sie ein hohes Risiko haben. Nieren- und Leberfunktionsstörungen sowie mögliche Wechselwirkungen müssen jedoch beachtet werden.

Wie groß das individuelle kardiovaskuläre Risiko eines Patienten ist und wie sich bestimmte Änderungen darauf auswirken, lässt sich anschaulich mittels Heart SCORE zeigen, erläuterte Trenk am Beispiel eines 60-jährigen Rauchers. Dessen 10-Jahres-Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis von 11 Prozent ließ sich allein durch Rauchverzicht auf 3 Prozent senken. Der Heart Score lässt sich auch in der Apothekenberatung einsetzen.

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