Der Landesapothekerverband Baden-Württemberg mit Präsidentin Tatjana Zambo warnt vor den möglichen Folgen einer erneuten Ausschreibung der Zytostatika-Versorgungsverträge. / © LAV Baden-Württemberg
Seit etwa einer Woche kursiert die Meldung, dass die Bundesregierung plant, Ausschreibungen für Zytostatika und Hilfsmittel wieder einzuführen. Sie soll in das laufende Gesetzgebungsverfahren zur Reform der Notfallversorgung eingebracht werden, das 2027 in Kraft treten soll. Im Omnibusverfahren sollen weitere Sparmaßnahmen umgesetzt werden, von denen auch die Apotheken betroffen sein sollen.
Nun sprechen sich mehrere Verbände gegen eine Wiedereinführung aus. So sieht der LAV darin erhebliche Risiken für die Versorgung von Krebspatientinnen und Krebspatienten. Dies hat der Verband auch in einem Schreiben an den baden-württembergischen Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand (Bündnis 90/Die Grünen) dargelegt.
»Gerade in der Krebstherapie kommt es auf eingespielte Abläufe, kurze Wege und eine verlässliche Zusammenarbeit zwischen Arztpraxis und Apotheke an«, sagt LAV-Präsidentin Tatjana Zambo. »Diese Strukturen dürfen nicht durch ein Ausschreibungssystem gefährdet werden.«
Der LAV befürchtet, dass Ausschreibungen die Versorgung auf immer weniger spezialisierte Betriebe konzentrieren könnten. Zytostatika herstellende Apotheken unterhalten laut dem Verband aufwendige Reinräume und beschäftigen besonders qualifiziertes Personal. »Solche Strukturen könnten nicht kurzfristig an gewonnene oder verlorene Ausschreibungen angepasst werden«, warnt LAV.
In Baden-Württemberg stellen nach Angaben der Landesapothekerkammer 15 niedergelassene Apotheken und 20 Krankenhausapotheken Zytostatika her. »Wenn spezialisierte Herstellungskapazitäten einmal verloren gehen, lassen sie sich nicht ohne Weiteres wieder aufbauen«, warnt Zambo.
Eine stärkere Konzentration der Herstellung könnte nach Einschätzung des LAV gerade in einem Flächenland wie Baden-Württemberg zu längeren Versorgungswegen führen. Gleichzeitig würde die kurzfristige Abstimmung zwischen onkologischen Praxen und Apotheken erschwert, so der Verband. Zudem warnt er, dass nicht nur Krebsbehandlungen, sondern auch parenterale Schmerzmittel, Ernährungslösungen sowie Infusionen mit Antibiotika und Virostatika betroffen wären, die diese Apotheke herstellt.