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Wirkstoffforschung

Larvenprotein gegen allergisches Asthma

Ein Protein aus den Larven eines Wurmparasiten könnte helfen, Immunreaktionen zu dämpfen. Eines Tages könnte diese Entdeckung zu einem neuen Mittel gegen allergisches Asthma führen. Der Weg bis dahin ist aber noch lang.
Sven Siebenand
24.04.2020  16:34 Uhr

Eine Pressemitteilung der Technischen Universität München nimmt Bezug auf eine Veröffentlichung eines Autorenteams um Marta de los Reyes Jiménez vom Zentrum für Allergie und Umwelt (ZAUM) der Hochschule und des Helmholtz Zentrums München in »Science Translational Medicine«. Darin heißt es, dass die Larven des Rundwurms Heligmosomoides polygyrus (Hpb) in die Darmschleimhaut von Nagetieren eindringen müssen, um zu Würmen heranwachsen zu können. Dazu müssen sie das Immunsystem des Wirts überwinden. »Die Larven des Wurmparasiten hätten gegen die Abwehrreaktionen normalerweise keine Chance. Doch sie verfügen über Wirkstoffe, mit denen sie die Immunantwort des Wirts gezielt regulieren können«, so Seniorautorin Dr. Julia Eßer-von Bieren vom ZAUM.

Die Forscher fanden eine Substanz, mit der die Larven das Immunsystem des Wirts austricksen: Das Protein Hpb-Glutamat-Dehydrogenase aktiviert verschiedene immunregulatorische Stoffwechselwege. Diese sorgen dafür, dass sich in den Immunzellen des Wirtsorganismus entzündungshemmende Botenstoffe bilden. Gleichzeitig wird der Anteil der entzündungsfördernden Botenstoffe reduziert. »Die Fähigkeit der Hpb-Glutama- Dehydrogenase die Immunantwort abzuschwächen, macht sie zu einem aussichtsreichen Kandidaten für die Therapie von chronischen Atemwegsentzündungen«, sagt Eßer-von Bieren. Denn Atemwegserkrankungen, beispielsweise allergisches Asthma, können die Folge einer Überreaktion des Immunsystems sein.

Dass sich mit Larven-Protein eine Entzündungsreaktion dämpfen lässt, konnten die Forscher an Mausmodellen mit allergischem Asthma zeigen. Zudem lieferten Untersuchungen mit humanen Zellen ermutigende Ergebnisse. »Wir haben uns vor allem die Wirkung auf bestimmte menschliche Immunzellen, die Makrophagen, angesehen. Wenn diese dauerhaft aktiviert sind, entstehen chronische Entzündungen. Durch Zugabe von Hpb-Glutamat-Dehydrogenase konnten wir die proentzündliche Aktivität der Makrophagen deutlich absenken. Dabei hat sich gezeigt, dass die Substanz wirkungsvoller ist als Kortison.«

Bei aller Euphorie: Die Wegstrecke zu einem neuen Medikament ist mit Sicherheit noch sehr lang. »Wir sind in der präklinischen Phase und müssen noch viele Fragen beantworten. Beispielsweise wie das Wurmprotein von Zellen in den Atemwegen aufgenommen wird und welche Auswirkungen es insgesamt auf das menschliche Immunsystem hat.«

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