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Hormonersatztherapie

Langjährige HRT mit erhöhtem Alzheimer-Risiko assoziert

Wenn Frauen über einen langen Zeitraum eine orale Hormonersatztherapie (HRT) erhalten, erhöht sich einer neuen Kohortenstudie zufolge ihr Alzheimer-Risiko – allerdings nur gering. Trotzdem sollten potenzielle Anwenderinnen hierüber informiert werden, meinen die Studienautoren.
Daniela Hüttemann
07.03.2019
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Für ihre Studie werteten die Mediziner um um Professor Dr. Tomi S. Mikkola von der Universität Helsinki die Daten von rund 170.000 finnischen Frauen jenseits der Wechseljahre ausgewertet. Die eine Hälfte litt unter Alzheimer, die andere nicht. Die Forscher schauten sich nun an, ob, wie lange und in welcher Form die Frauen während ihrer Wechseljahre eine Hormonersatztherapie (HRT) erhalten hatten.

Sie stellten fest, dass unter oraler HRT das absolute Risiko, an Alzheimer zu erkranken, leicht erhöht war. Das relative Risiko stieg um 9 bis 17 Prozent, schreiben sie im »British Medical Journal«. Das Team berechnete, dass unter oraler HRT verglichen mit keiner Hormongabe 9 bis 18 von 10.000 Frauen im Alter von 70 bis 80 Jahren zusätzlich eine Alzheimer-Demenz entwickelten, vor allem bei einer Therapie länger als zehn Jahre. Es fanden sich keine signifikanten Unterschiede zwischen der Einnahme reiner Estrogen-Tabletten oder von Estrogen-Progesteron-Kombinationspräparaten. Auch das Alter der Frauen zu Beginn der HRT schien keinen Einfluss zu haben. Unter Anwendung einer vaginalen Hormongabe war ein erhöhtes Alzheimer-Risiko nicht zu beobachten.

Auch wenn durch die Beobachtungsstudie kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen wurde und das absolute Risiko gering ist, schlagen die Autoren vor, ihre Ergebnisse bei der Beratung menopausaler Frauen zum Für und Wider einer Hormonersatztherapie zu erwähnen. In einem begleitenden Editorial schreiben US-amerikanische Gynäkologen, dass die Studienergebnisse insbesondere jüngere Frauen, bei denen eine HRT über einen eher kürzeren Zeitraum zum Einsatz kommen soll, nicht beunruhigen sollten.

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