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Nicht kleinzelliges Lungenkarzinom

Länger überleben mit Durvalumab

Seit wenigen Tagen steht für Patienten mit inoperablem nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) im Stadium III eine neue Behandlungsoption zur Verfügung. Der Checkpoint-Inhibitor Durvalumab wird nach einer erfolgreichen Radiochemotherapie eingesetzt. In einer Phase-III-Studie konnte die Immuntherapie mit Imfinzi® das Überleben der Patienten deutlich verlängern.
Brigitte M. Gensthaler
19.10.2018
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Der monoklonale Antikörper Durvalumab ist ein PD-L1-Antikörper, der den Programmed-Death-Liganden 1 bindet und damit die blockierte Immunreaktion der T-Zellen gegen den Tumor wieder in Gang setzt. Laut Zulassung ist er nur indiziert bei Erwachsenen mit lokal fortgeschrittenem Lungenkrebs, bei denen mindestens 1 Prozent der Tumorzellen den PD-L1 exprimieren und deren Krankheit nach einer platinbasierten Radiochemotherapie (RChT) nicht weiter fortgeschritten ist.

NSCLC im Stadium III sind in der Regel nicht operabel oder nicht vollständig resezierbar. »Für die weitaus meisten Patienten ist die simultane RChT, vor allem Cisplatin-basiert, die Standardtherapie«, erklärte der Onkologe Dr. Wilfried Eberhardt, Essen, bei einer Pressekonferenz von Astra-Zeneca in München. »Die Prognose dieser Patienten war bislang ungünstig, jedoch besteht im frühen Stadium III noch die Chance auf Heilung.«

Dass eine Monotherapie mit Durvalumab den Patienten nützt, zeigte Professor Dr. Christian Schumann, Kempten-Oberallgäu, anhand von Daten aus der Phase-III-Studie PACIFIC, die kürzlich im »New England Journal of Medicine« publiziert wurde. Eingeschlossen waren 713 Patienten mit nicht metastasiertem, aber lokal fortgeschrittenem NSCLC, die direkt nach einer RChT entweder den Antikörper (10 mg/kg alle 14 Tage intravenös) oder Placebo bekamen. Bei rund einem Drittel war der PD-L1-Expressionsstatus unbekannt.

»Der Vorteil im Gesamt- und im progressionsfreien Überleben zeigte sich schnell«, fasste der Onkologe zusammen. Das Verum verringerte das Sterberisiko der Patienten signifikant. Das mediane Gesamtüberleben betrug unter Placebo knapp 29 Monate, während es unter Durvalumab nach mehr als drei Jahren noch nicht ermittelt werden konnte. Das progressionsfreie Überleben lag median bei 16,8 versus 5,6 Monaten.

 

Expressionsstatus macht den Unterschied

»Alle Patienten profitierten von dem Antikörper, aber der Effekt war deutlich besser bei denjenigen, deren PD-L1-Expressionsstatus über 1 Prozent lag«, berichtete Schumann. Aus seiner Sicht sollte das Schema RChT plus Durvalumab der neue Standard für Lungenkrebs-Patienten im Stadium III werden. Auch wenn diese die simultane Radiochemotherapie nicht vertragen und die Therapien daher nacheinander angesetzt werden, dürfe der Antikörper gespritzt werden.

Wichtig ist jedoch, den PD-L1-Status gleich bei der Erstdiagnose zu bestimmen, betonten die Experten. »Nach einer erfolgreichen RChT ist keine Biopsie mehr möglich, da kein vitales Tumorgewebe mehr vorliegt«, erklärte Eberhardt. Aus »Zellmatsch« könne man nichts bestimmen. Außerdem verändere die Bestrahlung die Liganden-Expression. Sein Fazit: »Die Erfahrung zeigt, dass auch Patienten mit Tumoren mit geringer oder fehlender PD-L1-Expression von dem Antikörper profitieren. Warum, ist völlig unklar.« Außerdem sei der Ligand schwer bestimmbar.

Foto: Fotolia/artstudio_pro

 

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