Mehr als 100 peroral anzuwendende Krebswirkstoffe sind heute auf dem Markt; bei etwa der Hälfte sind Einnahmehinweise bezüglich der Nahrungsaufnahme zu beachten. Zudem sind verschiedene Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen möglich. Bei nicht sachgerechter Umsetzung besteht ein Risiko für eine verminderte Wirksamkeit oder (vermeidbare) Nebenwirkungen. Gleichzeitig haben die betroffenen Patienten seltener Kontakt zu ihrem behandelnden Arzt. Das macht die Unterstützung durch die Apotheken immer wichtiger.
Wie man einen Einstieg in ein so komplexes Gebiet findet, erklärte Kerstin Bornemann von der Marien Apotheke Göttingen. Die Apothekerin und Psychoonkologin wies darauf hin, dass es bereits vielfältige Materialien gibt, auf die Apotheken zurückgreifen können und die den Einstieg erleichtern können.
So stehen auf der Homepage der ABDA Arbeitsmaterialien für das Erstgespräch bereit. Dazu gehören beispielsweise benötigte Dokumente, aber auch ein Gesprächsleitfaden für das Beratungsgespräch. Informationen zu den einzelnen Tumorerkrankungen liefern die entsprechenden Leitlinien, die unter www.onkopedia.com/de abrufbar sind. Auch Patientenlinien sind dort hinterlegt.
Zum Betreuungsnetzwerk von Krebspatienten gehören neben Ärzten und Apotheken auch Friseure mit Perückenberatung. / © Getty Images/Nikola Stojadinovic
Sehr hilfreich für Patienten sind zudem die Merkblätter der Universität Erlangen (AMBORA). Zahlreiche Informationen gibt es außerdem bei der Deutschen Gesellschaft für Onkologische Pharmazie (DGOP) sowie bei der Oralia Datenbank, die allerdings kostenpflichtig ist. Die dort hinterlegten Einnahmepläne bieten Patienten die Möglichkeit, das tägliche Befinden zu dokumentieren – eine wichtige Basis für das Nebenwirkungsmanagement. Denn Beeinträchtigungen sollten keinesfalls als gegeben hingenommen werden. Die ausgefüllten Einnahmepläne können als wichtige Basis für das Gespräch mit dem Onkologen dienen. Das Angebot der Datenbank kann drei Monate lang kostenlos getestet werden.
Apotheken stellen wichtige Partner im Netzwerk für Patienten dar. Deren Bedarf ist vielfältig; benötigt werden neben dem onkologischen Behandlungsteam etwa Friseure mit Perückenberatung, Selbsthilfegruppen und palliative Angebote – und nicht zuletzt die wichtige pharmazeutische Expertise zur Umsetzung der verordneten Therapien. »Sie können nicht viel falsch machen, außer Sie machen gar nichts«, betonte Bornemann.