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Trotz Covid-19

Krebsmedikamente im Fokus der Forschung

Anlässlich des weltweit größten Krebskongresses ASCO, der dieses Jahr virtuell stattfindet, gibt der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) einen Einblick in seine Onkologie-Pipeline. Mehr als 200 neue Therapieoptionen könnten bis 2023 zur Marktreife gelangen.
Daniela Hüttemann
29.05.2020
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Heute beginnt der jährliche Kongress der American Society of Clinical Oncology, in diesen Zeiten natürlich digital beim »ASCO20 Virtual«. Beim weltweit größten Krebskongress stellen Forscher und Kliniker aus aller Welt traditionell ihre neuesten Ergebnisse vor. Das nimmt auch der vfa zum Anlass, um auf die Fortschritte der deutschen Pharmaunternehmen hinzuweisen.

»Trotz zahlreicher neuer Projekte speziell gegen Covid-19 steht der medizinische Fortschritt außerhalb der Infektiologie nicht still«, betont vfa-Präsident Han Steutel. »Forschende Pharmaunternehmen tun alles, um laufende Studien zur Erprobung neuer Medikamente fortzuführen und neue aufzulegen. Das gilt gerade auch für Krebsmedikamente, zu denen Pharmaunternehmen in Deutschland die meisten Studien durchführen.« Der Verband rechne für die kommenden Jahre mit weiteren guten Fortschritten für Krebspatienten.

Allein in Deutschland arbeite die Pharmaindustrie an mehr als 200 fortgeschrittenen Projekten, die bis 2023 zu neuen Medikamenten oder anderen Therapien führen könnten. So sollten 44 verschiedene Krebsarten in unterschiedlichen Stadien besser behandelbar werden, kündigt der vfa an. Schwerpunkte bilden dabei die häufigsten Krebsarten: Allein 35 Projekte beschäftigen sich mit dem nicht kleinzelligen Lungenkarzinom, 22 mit Brustkrebs, 15 mit Prostatakrebs und jeweils zwölf mit akuter myeloischer Leukämie (AML) und dem multiplen Myelom.

Aber auch an seltenen Krebsarten werde weiter gearbeitet wie dem Synovialkarzinom oder Morbus Waldenström. »Nicht nur die Patienten mit häufigen Krebsarten hoffen auf Fortschritt«, so Steutel. »Deshalb erproben unsere Unternehmen ihre Medikamente jeweils gegen bis zu zwölf Krebsarten gleichzeitig, und dabei ausdrücklich auch mit Patienten, die an seltenen Krebsarten leiden.«

Keine neuen Zytos

Pharmazeutisch betrachtet geht es in 66 Projekten, also jedem dritten, um Antikörper, die die T-Zellen des Patienten aktivieren sollen, also weitere Immuntherapeutika. In 46 Projekten werden Kinasehemmer untersucht, die nach einer Genanalyse des Tumors zielgerichtet eingesetzt werden sollen. 14 Projekte beschäftigen sich mit Medikamenten, die die DNA-Reparatur der Krebszellen unterbinden. Bei neun Ansätzen werden Antikörper-Zytostatika-Konjugate entwickelt, bei denen die Antikörper die Giftstoffe gezielt zu den mutierten Zellen transportieren, sodass gesunde Zellen weitgehend verschont bleiben. In acht Projekten werden CAR-T-Zelltherapien und TCR-T-Zelltherapien erforscht, bei denen Patienten mit seltenen Leukämien oder Lymphomen mit gentechnisch veränderten Zellen behandelt werden.

Neue Chemotherapeutika (die neben Tumorzellen unvermeidlich auch viele gesunde Zellen schädigen) würden hingegen nicht mehr entwickelt; sie seien nur noch bei einigen der neuen Therapien als zusätzliche Maßnahme erforderlich, so der vfa.

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