| 20.04.2026 09:30 Uhr |
Schöpferkraft zahlt sich aus: Wer sich kreativ betätigt, verändert sein Schmerzempfinden. Das bringt neue Impulse für Schmerztherapien. / © Shutterstock/RSTPIERR
Künstler müssen immer leiden, um große Werke zu schaffen. Die gängige Annahme sieht einen Zusammenhang zwischen Kreativität und Schmerz. Den bestätigt nun auch die Forschung. In einem Artikel im Fachjournal »Neuroscience & Biobehavioral Reviews« beschreibt die Neurobiologin Dr. Radwa Khalil von der Bremer Constructor University, wie kreative Prozesse und Schmerzverarbeitung auf denselben neuronalen Mechanismen beruhen. In dieser Verbindung liegt demnach die Chance, Kreativität gezielt zu nutzen, um die Art und Weise zu beeinflussen, wie unser Gehirn Schmerz verarbeitet.
Das Autorenteam schildert, dass beide Erfahrungen auf sich überlappenden neuronalen Systemen beruhen und gleichermaßen mit Aufmerksamkeit, Emotion und kognitiver Kontrolle zusammenhängen. Kreative Prozesse wie beispielsweise Perspektivwechsel oder Ideengenerierung greifen also auf dieselben Mechanismen zurück, die auch nötig sind, um Schmerz wahrzunehmen und zu regulieren.
Menschen können dem Artikel zufolge durch kreatives Schaffen ihren Fokus umlenken und alternative neuronale Bahnen aktivieren. Dieser Prozess moduliert die Schmerzwahrnehmung und aktiviert zudem dopamingesteuerte Belohnungssysteme. Damit verändert sich die Beziehung zum Schmerz.
Das Autorenteam bedauert, dass Schmerz derzeit deutlich häufiger erforscht wird als Kreativität. Ein weiteres Problem: Unterschiedliche Methoden und Begriffe erschweren gemeinsame Erkenntnisse. Sie plädieren daher für eine stärkere interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Neurowissenschaft, Psychologie, Medizin und Informatik.
Ihr Ziel ist es, das Thema Schmerzmanagement zu erweitern und neue Therapieansätze für neurologische Entwicklungsstörungen wie ADHS, Autismus oder Alterungsprozesse zu finden.