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Krebsforschung

KRAS-Inhibitoren im Test

Das Protein KRAS hat eine wichtige Bedeutung in der Proliferation von bösartigen Tumoren. KRAS-Inhibitoren gibt es bislang nicht auf dem Markt, getestet werden sie allerdings bereits in Studien.
Sven Siebenand
30.09.2020  18:00 Uhr

KRAS-Mutationen treten sehr häufig bei metastasierten Tumorerkrankungen auf. Eine spezifische Mutation, die als KRASG12C bekannt ist, ist ein wichtiger Treiber für das Tumorwachstum und tritt bei vielen unterschiedlichen soliden Tumoren auf. Analysen aus den USA zeigen, dass mehr als jeder achte Patient mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) eine KRASG12C-Mutation aufweist. Zudem kommt die Mutation bei etwa 3 bis 5 Prozent der Patienten mit Kolorektalkarzinom und bei 1 bis 2 Prozent der zahlreichen weiteren soliden Tumoren vor, was diese Mutation zu einer der am weitesten verbreiteten innerhalb der Subgruppen von Krebspatienten macht.

Spezifische KRAS-Inhibitoren zu entwickeln und zur Marktreife zu führen, war in der Vergangenheit gescheitert. Mit der Entdeckung einer einzigartigen Oberflächenfurche im KRASG12C-Protein hat die Firma Amgen einen KRASG12C-Inhibitor entwickelt und in die klinische Prüfung gebracht. Das Unternehmen meldet nun die erste Veröffentlichung von Phase-I-Ergebnissen eines KRASG12C-Inhibitors im Fachjournal »New England Journal of Medicine«. Die Studie evaluiert den Wirkstoff namens Sotorasib bei 129 mehrfach vortherapierten Patienten mit verschiedenen fortgeschrittenen soliden Tumoren und der genannten KRAS-Mutation.

Die Patienten nahmen einmal täglich Sotorasib ein. Der primäre Endpunkt der Studie war die Sicherheit. Insgesamt 73 Patienten (56,6 Prozent) hatten behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse; bei 15 Patienten (11,6 Prozent) kam es zu Nebenwirkungen 3. oder 4. Grades. Zu den sekundären Endpunkten gehören die objektive Ansprechrate und das progressionsfreie Überleben. In der Subgruppe der 59 NSCLC-Patienten lag die objektive Ansprechrate bei 32,2 Prozent und das mittlere progressionsfreie Überleben bei 6,3 Monaten. Auch bei Patienten mit anderen Tumorarten, etwa Bauchspeicheldrüsen- und Darmkrebs, war in der Studie ein Ansprechen zu verzeichnen.

Ob Sotorasib es bis zur Zulassung schafft, hängt von weiteren Ergebnissen in klinischen Studien ab. Die Patientenrekrutierung für eine einarmige Phase-II-Studie mit NSCLC-Patienten sowie Patienten mit Kolorektalkarzinom ist abgeschlossen. Eine Phase-III-Studie, die Sotorasib gegenüber Docetaxel in der Zweitlinie beim NSCLC vergleicht, hat mit der Rekrutierung begonnen.

Nicht nur Amgen forscht auf dem Gebiet der KRAS-Inhibitoren. Boehringer Ingelheim hat beispielsweise den ebenfalls oral verfügbaren Kandidaten BI 1701963 in der Pipeline. Die klinische Testung dieses Pan-KRAS-Inhibitors ist bereits gestartet.

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