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Tuberkulose
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Kombiniert und konsequent therapieren

Noch immer ist Tuberkulose eine der weltweit bedeutendsten Infektionskrankheiten. Auch in Deutschland spielt sie mit jährlich mehr als 4000 Neuerkrankungen noch immer eine Rolle. Was bei der Therapie zu beachten ist.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 24.02.2026  13:30 Uhr

Tuberkulose zählt mit mehr als 1,2 Millionen Todesfällen pro Jahr weltweit zu den häufigsten und tödlichsten Infektionskrankheiten, vor allem in Afrika, Südostasien und in der westlichen Pazifikregion. »Die WHO schätzt, dass etwa ein Drittel der Weltbevölkerung infiziert ist«, sagte Professor Dr. Friederike Cuello vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf in ihrem Vortrag »Moderne und rationale Tuberkulosetherapie« im Rahmen der Hermann-Hager-Tagung, einer Fortbildungsveranstaltung der Apothekerkammer Brandenburg.

Auch in Deutschland nehmen die Fälle seit 2015 aufgrund der Flüchtlingssituation wieder zu. Nach einem Inzidenz-Knick während der Coronapandemie steigen die Zahlen seit 2022 erneut leicht an. Für das Jahr 2023 meldete das RKI 4481 Tuberkulosefälle – dies entspricht einer Zunahme um 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

»Eine mehrmonatige Kombinationstherapie ist bei Tuberkulose essenziell«, betonte Cuello, da sich Mycobacterium tuberculosis in unterschiedlichen anatomischen und metabolischen Kompartimenten des Körpers aufhalte. Die Erreger finden sich intra- und extrazellulär, in gut durchbluteten wie auch hypoxischen Arealen und liegen teils aktiv wachsend, teils persistierend vor. Kein einzelnes Antibiotikum erreicht alle Stadien gleichermaßen, weshalb mehrere kombiniert werden müssen.

Stufentherapie über sechs bis neun Monate

Die Stufentherapie besteht bei unkomplizierter Primärtuberkulose aus Isoniazid, Rifampicin, Ethambutol und Pyrazinamid über zwei Monate (Initialphase), gefolgt von Isoniazid und Rifampicin für vier Monate (Stabilisierungsphase). Bei kavernösen Lungentuberkulosen – bei der sich in der Lunge Hohlräume (»Kavernen«) bilden, die durch den Zerfall von Lungengewebe entstehen – beträgt die Therapiedauer in der Regel neun Monate. In der dreimonatigen Initialphase kommen Isoniazid, Rifampicin und Ethambutol zum Einsatz, in der sechsmonatigen Stabilisierungsphase Isoniazid und Rifampicin.

Bei multi- beziehungsweise Rifampicin-resistenter Tuberkulose empfiehlt die WHO eine Vierer-Kombination aus den vergleichsweise neuen Substanzen Bedaquilin (in der EU verfügbar seit 2014) und Pretomanid (EU seit 2019) sowie dem Reserveantibiotikum Linezolid und Moxifloxacin über ein halbes Jahr.

Wechselwirkungen beachten

Cuello betonte, dass insbesondere bei Rifampicin und Isoniazid auf Interaktionen und therapeutisches Drug-Monitoring, bei Ethambutol auf eine mögliche Schädigung des Nervus opticus und ganz allgemein auf gute Therapietreue geachtet werden müsse, bei Isoniazid außerdem auf einen möglichen Vitamin‑B6‑Mangel.

Vor allem Rifampicin bietet als starker Induktor von CYP3A4, CYP2C9 und CYP2C19 großes Wechselwirkungspotenzial. Es beschleunigt etwa die Metabolisierung von Antikoagulanzien wie Phenprocoumon und hormonellen Kontrazeptiva. Isoniazid induziert CYP2E1 und ist ein starker Inhibitor von CYP2C19 und CYP3A4. CYP2D6 hemmt es schwach. Folgen können etwa eine verstärkte Wirksamkeit von Alkohol, Phenytoin, Carbamazepin und Diazepam sein. Außerdem kann Pyrazinamid bei gleichzeitiger Gabe eines oralen Antidiabetikums die Blutzuckersenkung verstärken.

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