Der 3D-Drucker stellt innerhalb eines Vorgangs 25 Tabletten her. / © Klinikum Oldenburg/Kim Green
Aktuell werden in der Apotheke des Klinikums Oldenburg Kautabletten mit dem Wirkstoff Acetazolamid gedruckt, berichtet Apothekenleiter Kim Green gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung. Acetazolamid ist ein Carboanhydrase-Hemmer, der überwiegend zur Therapie des Glaukoms eingesetzt wird. Er kommt aber auch off Label bei Epilepsie zum Einsatz.
In der Pilotphase habe die Klinikapotheke mit Melatonin-Tabletten zur Sedierung für Kinder angefangen, so Green. »Mittel- bis langfristig soll der Fokus auf neurologischen, kardiovaskulären und onkologischen Erkrankungen liegen.« Neben den Kautabletten seien auch andere Darreichungsformen wie Zäpfchen oder orodispersible Filme geplant. Besonders für Kleinkinder seien diese Arzneiformen geeignet.
Der große Vorteil, gerade in der Pädiatrie, ist die individuelle Dosierung jeder einzelnen Tablette und auch die Anpassung an die individuellen Geschmacksvorlieben. Die derzeit hergestellten flachen Kautabletten haben laut dpa-Bericht einen Erdbeer-Vanille-Geschmack, die Konsistenz erinnere ein wenig an Gummibärchen. Pro Druckvorgang können bis zu 25 Tabletten hergestellt werden.
Arzneimittel mithilfe eines 3D-Druckers herzustellen, ist für viele noch neu. So hatte die Deutsche Presseagentur (dpa) vor Kurzem über das Projekt in Oldenburg berichtet. Die dortige Klinik ist jedoch nicht das erste Krankenhaus, das bereits 3D-Druck nutzt. Zum Beispiel läuft derzeit eine Studie zur Akzeptanz von Dexamethason-Tabletten in der Kinderonkologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Nach Einschätzung der ADKA – Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker ist die Technologie in Deutschland überwiegend noch im Forschungs-, Entwicklungs- und Pilotstadium. »Einzelne Krankenhausapotheken setzen sie bereits für ausgewählte Patientinnen und Patienten ein«, so ADKA-Geschäftsführer Christopher Jürgens gegenüber der dpa. »Wir sehen im 3D-Arzneimitteldruck beachtliches Zukunftspotenzial, erwarten aber zunächst eine schrittweise Entwicklung in spezialisierten Krankenhausapotheken.«
Im Klinikum Oldenburg werden die Tabletten im Rahmen der Rezeptur hergestellt, erklärte Apothekenleiter Green gegenüber der PZ. Auch eine Defekturherstellung wäre denkbar, werde aber derzeit nicht benötigt. Die Herstellung der Tabletten sei konform mit der Apothekenbetriebsordnung. Die Prozesse seien in Audits geprüft und nach DIN ISO 9001 zertifiziert.
Der Tablettendruck hat jedoch seine Grenzen, beispielsweise müssen Hydrolyse und thermische Stabilität beachtet werden. Der Hersteller des Arzneimitteldruckers »CurifyLab« stelle dem Nutzer dazu aber Stabilitätsuntersuchungen zur Einsicht und Freisetzungsprofile der wirkstoffhaltigen Tabletten zur Verfügung, erläuterte Green. »Wir haben diese Daten zum Nachweis der Qualität und Stabilität intern per HPLC verifiziert.« Das Auflösungsverhalten der gedruckten Tabletten sei ebenfalls geprüft und als physiologisch geeignet eingestuft. Wissenschaftliche Publikationen seien geplant.