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Herzchirurgie

Kleine Schnitte mit großem Effekt

Herzen kann man reparieren: Etwa 90.000 Menschen werden pro Jahr in Deutschland an dem Organ operiert. Häufige Gründe für den Eingriff sind koronare Herzerkrankung, Herzklappendefekte und angeborene Herzfehler.
Christina Hohmann-Jeddi
29.01.2019
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In das für Pharmazeuten ferne Gebiet der Herzchirurgie gab Professor Dr. Thomas Walther, Chef der Herzchirurgie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main, den Teilnehmern des Fortbildungskongresses Pharmacon in Schladming Einblick. In der Herzchirurgie habe sich in den vergangenen Jahren viel getan: »Die Eingriffe werden immer weniger invasiv«, sagte Walther. Statt einer Sternotomie, der Öffnung des Brustkorbs und Durchtrennung des Brustbeins, könnten einige Operationen inzwischen auch über eine partielle Sternotomie oder kleinen seitlichen Zugang (laterale Minithorakotomie) und einige Eingriffe auch endoskopisch durchgeführt werden.

Bei großen Operationen, zum Beispiel bei der Korrektur von angeborenen Herzfehlern, ist es nötig, den Patienten an eine Herz-Lungen-Maschine anzuschließen. Diese übernimmt die Pumpfunktion, erhält den Blutkreislauf aufrecht und sorgt zudem für eine Sauerstoffanreicherung des Blutes. Über einen angeschlossenen Wärmeaustauscher lässt sich die Körpertemperatur senken, um den Kreislauf zu verlangsamen, dann wird ein Herzstillstand induziert, da das Herz in Ruhe besser operiert werden kann. Bis zu einer Stunde kann es inaktiv bleiben, ohne Schaden zu nehmen. Etwa 6000 Kinder werden pro Jahr in Deutschland wegen angeborener Herzfehler operiert, die Hälfte von ihnen im Säuglingsalter.

Deutlich häufiger sind allerdings Herzoperationen bei Erwachsenen, wobei die koronare Herzerkrankung die häufigste Indikation ist. Zur Verbesserung der Blutversorgung des Herzmuskels bei Koronarinsuffizienz werden die Engstellen in den Gefäßen entweder per Katheter geöffnet oder durch einen Bypass umgangen. »Die Bypasschirurgie wird inzwischen relativ routinemäßig am schlagenden Herzen vorgenommen«, berichtete Walther. In großen Studien hatte die Herzoperation gegenüber der Katheterbehandlung (perkutane Koronarintervention, PCI) mit Einsetzen eines Stents Vorteile gezeigt. Welches Verfahren bei welchem Patienten anzuwenden ist, wird bei jeweils individuell mithilfe eines Scores entschieden, wobei Komorbiditäten und Ausmaß der Gefäßverengung berücksichtigt werden, berichtete der Mediziner.

Eine weitere Indikation für Herzoperationen sind Herzklappendefekte, wie eine Aortenklappenstenose. Bei dieser ist der Ausflusstrakt des linken Ventrikels verengt. Sie sollte bei Symptomen möglichst operiert werden, da sonst die Mortalität deutlich steigt. Die defekten Herzklappen können operativ durch biologische oder künstliche Klappen ersetzt werden, zum Teil werden sie auch rekonstruiert. Alternativ ist wieder eine Katheterintervention möglich, die sogenannte Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI). Laut Leitlinie sollen jüngere, ansonsten gesunde Patienten eher operiert und ältere Patienten eher per Katheterintervention versorgt werden. Noch sei unklar, welches Verfahren langfristig bessere Ergebnisse erziele. »Es fehlen noch die Zehn-Jahres-Daten«, sagte Walther.

In Zukunft soll die Herzchirurgie noch personalisierter werden, berichtete der Chirurg. »Bei jedem Menschen ist die Anatomie anders.« Daher sei die Bildgebung ein entscheidender Faktor. Diese müsse noch weiterentwickelt werden, um die Ergebnisse der Chirurgie zu verbessern. Ein ebenfalls entscheidender Faktor sei eine gute Teamarbeit, betonte der Mediziner mehrfach. Welches Verfahren zum Einsatz komme, werde im Herz-Team, bestehend aus konservativen Kardiologen, Herzchirurgen und interventionellen Kardiologen, entschieden.

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