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Phagro-Abend
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Kippels sieht keine Chance für Rx-Versandverbot

Der Rx-Versandhandel ist ein Störfaktor – auch für den Großhandel. Beim parlamentarischen Abend des Branchenverbands Phagro forderte der Verbandsvorsitzende Marcus Freitag, über ein Rx-Versandverbot nachzudenken. BMG-Staatssekretär Georg Kippels (CDU) sieht dafür derzeit keine politische Mehrheit.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 14.10.2026  19:55 Uhr

Dass der seit Oktober greifende Tankrabatt der Branche kaum hilft, hatte der Phagro bereits zuvor klargestellt und eine Reform der Großhandelsvergütung gefordert; schon heute decke die gesetzliche Großhandelsvergütung bei 65 Prozent aller Rx-Packungen nicht die Kosten. Die Mischkalkulation sei mehr und mehr durch »Rosinenpickerei« der Versender gefährdet, ergänzte Freitag beim Parlamentarischen Abend des Phagro im Berliner »Zazou«.

Der Versandhandel dürfe über DHL ausliefern, Apotheken und Großhandel müssten GDP-Vorgaben einhalten, beklagte Freitag. Die Politik müsse sich dem Thema stellen, ungleiche Spieße gingen nicht. Auch ein Rx-Versandverbot dürfe kein Tabu sein. Deutschland sei eines der wenigen EU-Länder, in denen es eine solche Möglichkeit überhaupt gebe.

Krisenresilienz – ein allgegenwärtiges Thema, das kurz vor dem Phagro-Event beim  PZ-Livetalk »Alex Doppelte Dosis« mit Oberstapotheker Bernd Klaubert besprochen wurde. Freitag fordert, der Großhandel müsse hier stärker einbezogen werden. Der Großhandel könne Versorgung sicherstellen, man müsse aber mit ihm reden.

Kippels: »Kontrolldefizit beim EU-Versandhandel«

Georg Kippels, Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium (BMG),  pflichtete Freitag bei, dass die berühmten gleich langen Spieße weiterhin ein Problem seien, das Thema sei ein »Sorgenkind«. Ein Rx-Versandverbot sah der Jurist aber mit Skepsis. Es gebe einen europäischen Markt, der eine andere Sicht als das SGB V auf den Versandhandel habe. Inzwischen durch die Apothekenreform geregelte strengere Vorgaben seien indes »noch nicht zu 1000 Prozent erfolgreich geführt«.

Es gebe da ein Kontrolldefizit. Kippels verwies auf die Paritätische Stelle im SGB V und erinnerte an die jüngsten erfolgreichen Abmahnverfahren gegen Doc Morris inklusive Kontenpfändung. So etwas tue dem Adressaten weh, dieser wisse, dass er nicht machen könne, was er wolle. Das BMG wolle dem Thema weiter entgegentreten, kündigte Kippels an. Die Versender hätten gute Juristen, die dabei helfen, die Regelungen geschickt zu umgehen. »Das kann uns alle nicht zufriedenstellen.«

Er sehe  aber keine Mehrheit im Bundestag, um den Rx-Versandhandel abzuschaffen, sagte Kippels. Der Versand sei Bestandteil der modernen Versorgung. »Die Messe ist aber noch nicht gelesen.« Das Geschäftsgebaren der Plattformen komme hinzu. Hier brauche es auch eine Entrüstung und eine Allianz mit der Ärzteschaft gegen solche Geschäftsmodelle.

Gefahr durch Plattformversorgung

Denn es bestehe die Gefahr, dass  ein Versorgungssystem aus der medizinischen und pharmazeutischen Kompetenz abgeschafft werde. Das Konsumverhalten sei problematisch – Stichpunkt Medizinalcannabis und explodierte Importzahlen seit der Teillegalisierung. Hier müsse man einen Riegel vorschieben, das habe Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) beim zurückliegenden Apothekertag angekündigt. »Wir bleiben dran«, so Kippels.

Beim Thema Sicherheit riet der Staatssekretär angesichts vermehrter hybrider Angriffe zur Diskretion. Depots und Lager seien Angriffsziele. Es müsse hinter verschlossenen Türen geplant werden. Für Ende des Jahres kündigte Kippels einen Entwurf des Gesundheitssicherstellungsgesetzes (GeSiG) an. Die Arzneimittelversorgung und -sicherstellung werde »darin ein ganz großes Kapitel darstellen«.

Apotheken und Großhandel bildeten in ihrem Zusammenspiel ein Fundament der Versorgung. Dieses Zusammenspiel gelte es noch zu verbessern.

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