| Cornelia Dölger |
| 14.10.2026 14:45 Uhr |
Die erweiterten Impfberatungen kommen BÄK-Präsident Klaus Reinhardt im BAK-Curriculum zu kurz. / © Imago/Bernhard Herrmann
Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz wird Apotheken die Möglichkeit eingeräumt, nach entsprechender Schulung alle Totimpfstoffe zu verimpfen. Dazu hat die Mitgliederversammlung der Bundesapothekerkammer (BAK) am Dienstag das Fortbildungs-Curriculum für die erweiterten Impfmöglichkeiten beschlossen.
Prompt kommt nun Gegenwind aus der Ärzteschaft. Mitnichten seien mit der Verabschiedung des Curriculums die Voraussetzungen für die Durchführung sämtlicher Impfungen mit Nicht-Lebendimpfstoffen in Apotheken geschaffen, lässt die Bundesärztekammer (BÄK) wissen. Im Gesetz sei vorgegeben, dass Mustercurricula mit der Ärzteseite abgestimmt sein müssten, dies sei aber nicht der Fall. Vielmehr bestehe weiterhin ein fachlicher Dissens mit der BÄK über die Voraussetzungen für die Durchführung sämtlicher Impfungen mit Nicht-Lebendimpfstoffen in Apotheken, heißt es.
Das neue BAK-Fortbildungscurriculum umfasst für bislang ungeschulte Apothekerinnen und Apotheker 23 Stunden à 45 Minuten. Wer bereits Impfungen gegen Grippe und Covid-19 durchführt, benötigt noch 14 Fortbildungsstunden beziehungsweise 15, wenn auch subkutan geimpft werden soll. Ein Teil der Inhalte kann im Selbststudium erarbeitet werden.
Ganz andere Vorstellungen haben die Ärzte offenbar schon bei der Fortbildungsdauer; die Forderung von bis zu 100 Fortbildungsstunden steht im Raum. Mehrmals habe die BÄK Vorschläge für eine Qualifizierung unterbreitet, aber die BAK halte »offenbar weiterhin an einem Schnellkurs fest«, kritisiert die BÄK. Welchen Umfang die Fortbildung ihrer Ansicht nach haben und ob sie noch weitere Module umfassen sollte, beziffert die BÄK in ihrer Gegenrede zunächst nicht.
Für BÄK-Präsident Klaus Reinhardt ist der Lehrplan jedenfalls zu knapp bemessen. »Wer meint, ohne Medizinstudium in eineinhalb Schulungstagen die Qualifikation erwerben zu können, alle Impfungen mit Totimpfstoffen einschließlich der Reiseimpfungen beurteilen und durchführen zu können, hat nicht verstanden, was ärztliche Verantwortung bedeutet«, kritisiert er.
Vor allem kämen die erweiterten Anforderungen an die Impfberatung zu kurz. Insbesondere bei Reiseimpfungen seien Anamnese, Indikationsstellung und das Management möglicher Komplikationen deutlich komplexer als bei Grippe- oder Covid-19-Impfungen.