| Brigitte M. Gensthaler |
| 09.03.2026 18:00 Uhr |
Sieht harmlos aus, kann aber Krankheitserreger übertragen. Zu den gefährlichsten gehören Tollwutviren. / © Adobe Stock/Nils
Jährlich sterben etwa 60.000 Menschen weltweit an einer Tollwuterkrankung, die überwiegend durch das klassische Rabiesvirus (RABV) ausgelöst wird. Fast immer geht die Erkrankung, die durch übermäßigen Speichelfluss, Aggression, Krämpfe und krankhafte Wasserscheu gekennzeichnet ist, auf den Kontakt mit infizierten Hunden zurück. Was viele nicht wissen: Die Inkubationszeit ist sehr variabel, durchschnittlich zwei bis drei Monate, sehr selten nur wenige Tage oder mehrere Jahre.
Reisende in Endemiegebiete – vor allem bei Langzeitreisen, Abenteuerurlauben und vermehrtem Tierkontakt – sollten sich daher vor der Abreise gegen Tollwut impfen lassen. Auch Kinder sind Hochrisikopersonen. »Kleine Kinder mögen Tiere mit Fell, aber Tiere mit Fell mögen keine kleinen Kinder. Wir sehen die Indikation zur Impfung daher vor allem bei Kindern, weil sie sich riskanter verhalten«, berichtete Professor Dr. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM), Düsseldorf, bei einer Tagung des CRM. »Moderne und sichere Impfstoffe gegen Tollwut sind seit langem etabliert, aber die Impfung hat immer noch das Image, anstrengend und gefährlich zu sein.«
Laut der Ständigen Impfkommission (STIKO) besteht die Grundimmunisierung aus drei Impfstoffdosen an den Tagen 0, 7, 21 oder 28 (Rabipur® oder Verorab®). Die Impfung kann bereits ab dem ersten Lebenstag gegeben werden. Ein Alternativschema sieht nur die ersten beiden Impfdosen vor.
Die beiden Impfstoffe sind laut STIKO innerhalb einer Impfserie sowohl zur Präexpositionsprophylaxe (PrEP) als auch bei einer Postexpositionsprophylaxe (PEP) miteinander kombinierbar. Nach der PrEP mit drei Impfstoffdosen kann man im Notfall mit einer zweimaligen Impfung (PEP) schnell eine ausreichende Immunantwort induzieren, um eine Erkrankung zu verhindern. Die Boosterfähigkeit stelle das Schutzkorrelat vor einer Tollwuterkrankung dar, schreibt die STIKO.
Bei jedem Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier einschließlich Fledermäusen ab Expositionsgrad II (nicht blutende, oberflächliche Kratzer oder Hautabschürfungen, Lecken oder Knabbern an der nicht intakten Haut) muss eine PEP erfolgen. Diese umfasst immer eine Wundspülung (mindestens 15 Minuten mit Seife oder Detergenzien, mit Wasser gründlich spülen), antiseptische Wundbehandlung (mit 70-prozentigem Alkohol oder Jodpräparat) sowie mehrere Impfstoffdosen. Eine PEP kann laut STIKO auch noch Wochen bis Monate nach einer Exposition sinnvoll sein.
Bei Expositionsgrad III, zum Beispiel Bissverletzungen, Kratzwunden oder Ablecken von Wunden, bekommen Personen, die keinen aktuellen Tollwut-Impfschutz haben, zusätzlich zur Immunisierung humane Tollwut-Immunglobuline (20 IE/kg Körpergewicht). In Endemiegebieten seien Impfstoffe und Immunglobuline jedoch oft nicht schnell und zuverlässig erhältlich, warnte Jelinek.
Sobald die ersten Symptome einsetzen, gibt es praktisch keine Rettung mehr. »Ein Drittel der Todesfälle entfällt auf Indien, aber auch in vielen anderen Ländern Süd- und Südostasiens sowie in ganz Afrika besteht ein relevantes Risiko, sich mit Tollwut zu infizieren«, berichtete der Tropenmediziner. Auf Sri Lanka seien seit Jahresbeginn bereits 14 Menschen an Tollwut verstorben. Laut Robert-Koch-Institut werden die meisten Tollwutfälle in Asien und Afrika und dort vor allem in ländlichen und ärmeren Bevölkerungsgruppen registriert; etwa die Hälfte der Betroffenen sind Kinder unter 15 Jahren. Deutschland gilt nach den Kriterien der WHO seit 2008 als frei von terrestrischer Tollwut.