Zum Thema Primärversorgung prallten die Meinungen aufeinander. Welche Leistungen sollen aus der ärztlichen Versorgung genommen und den Apothekern zugeschlagen werden? Man wolle einander nichts wegnehmen, versicherte Scharpf. In Prävention und Früherkennung könnten die Apotheken den Ärzten zuarbeiten, zum Beispiel beim Screening oder Impfen. »Wir sind nicht kleine Ärzte, sondern große Apotheker.«
Das sah Lessel ganz anders: Mit Impfen und Screening überschritten die Apotheker ihre Kompetenzen. Sie sehe Apotheker als Partner, »aber Sie haben ihre spezifischen pharmazeutischen und keine ärztlichen Kompetenzen«. Arzt und Apotheker seien »zwei wichtige Professionen, aber mit getrennten Aufgaben«. Medizinerin Buyx votierte für eine sehr enge Zusammenarbeit. Ärzte müssten Aufgaben abgeben, damit sie Freiräume für ihre originär medizinischen Aufgaben haben.
Hans Theiss, der auch für die CSU im Bundestag sitzt, goss Öl ins Feuer und plädierte für ein Dispensierrecht für Ärzte in bestimmten Situationen – wie es aktuell in der Notfallversorgung diskutiert wird. Im geplanten Primärversorgungssystem – nicht mehr Primärarztsystem – müssten Ärzte Aufgaben abgeben, aber auch die Apotheker, sagte der Kardiologe. »Es ist ein Geben und Nehmen.«
In der Schlussrunde beschworen die Heilberufler wieder ihre Gemeinsamkeiten. Hubmann unterstrich: »Wir Freiberufler stehen als Partner zusammen, denn unsere Gegner stehen ganz woanders.« Buyx resümierte: »Es ist wichtig, dass man um solche Fragen streitet und dann einbiegt in das gemeinsame Ziel: das Patientenwohl. Diese Ausrichtung haben die anderen nicht.«