| Melanie Höhn |
| 12.01.2026 16:10 Uhr |
Die Umfrage der ManpowerGroup für den Arbeitsmarkt zeigt: KI ist in der Breite angekommen. / © Imago Images/Westend61
Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten planen deutsche Unternehmen im ersten Quartal 2026 einen moderaten Personalaufbau. Gleichzeitig bleibt der Engpass am Arbeitsmarkt hoch: 83 Prozent der Arbeitgeber haben Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen, weil qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber fehlen. Das geht aus den Zahlen einer aktuellen Zusatzbefragung der ManpowerGroup im Rahmen ihres Arbeitsmarktbarometers hervor, an der mehr als 1000 Unternehmen in Deutschland teilnahmen.
Der Netto-Beschäftigungsausblick (NBA) im öffentlichen Sektor sowie im Gesundheitsbereich und sozialen Diensten liegt bei 21 Prozent und somit leicht unter dem deutschlandweiten Durchschnitt. Dieser Wert ist gegenüber dem Vorquartal um gute 8 Prozent gestiegen. Im Jahresvergleich zeigt er eine nur leichte Steigerung von einem Prozentpunkt.
Das Arbeitsmarktbarometer ermittelte, dass 40 Prozent der teilnehmenden Unternehmen im ersten Quartal 2026 einen Personalaufbau planen. 18 Prozent prognostizieren einen Abbau und 38 Prozent wollen die Mitarbeiterzahl unverändert lassen.
Der Report zeigt auch, mit welchen Strategien Unternehmen auf die wirtschaftlichen Herausforderungen reagieren und welche Qualifikationen und Soft Skills für die Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit deutscher Unternehmen entscheidend sind.
Besonders gefragt sind klassische IT- und Datenkompetenzen (21 Prozent) sowie Fähigkeiten im Bereich künstliche Intelligenz (KI): 19 Prozent der Unternehmen suchen Kompetenzen in der Anwendung von KI-Tools, weitere 16 Prozent in der Entwicklung und im Training von KI-Systemen. Auch in anderen Bereichen wie Fertigung und Produktion (19 Prozent), Logistik (16 Prozent), Verwaltung und Office-Management (15 Prozent) sowie Vertrieb und Marketing (14 Prozent) werden verstärkt Fachkräfte gesucht und häufig nicht gefunden.
»Der Bedarf an digitalen Kompetenzen steigt spürbar. Das zeigt: KI ist endgültig in der Breite angekommen«, sagt Iwona Janas, Country Manager der ManpowerGroup Deutschland. »Wenn Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben wollen, brauchen sie jetzt zwei Dinge: Menschen mit KI- und IT-Skills und eine klare Strategie, wie diese Kompetenzen kurzfristig aufgebaut und im Alltag genutzt werden.«
Um Vakanzen zu schließen, setzen Unternehmen vor allem auf Weiterbildung und Umschulung der bestehenden Belegschaft (28 Prozent). Ebenfalls weit verbreitet sind flexible Arbeitszeitmodelle wie Teilzeit oder variable Arbeitszeiten. Sie werden von 26 Prozent der Unternehmen angeboten. Weitere zentrale Maßnahmen: Gehaltserhöhungen (19 Prozent), erhöhte Werbeaktivitäten für offene Stellen (17 Prozent) sowie eine gezielte Ansprache neuer Talentpools (16 Prozent).
Darüber hinaus werden Standortflexibilität, zum Beispiel Homeoffice oder hybride Modelle, der Einsatz von Automatisierung und KI zur Reduzierung des Personalbedarfs sowie die Senkung von Anforderungen an formale Abschlüsse genannt. Ein Teil der Unternehmen setzt zudem auf Outsourcing und die Rekrutierung in internationalen Märkten, um den Bedarf an qualifizierten Fachkräften zu decken.
»Weiterbildung ist der Hebel mit der nachhaltigsten Wirkung gegen den Fachkräftemangel, aber sie muss zur Realität im Betrieb passen«, so Janas. »Weiterbildung kostet Zeit. Zur Überbrückung in der Lernphase stellen wir kurzfristig Experten bereit und begleiten sowohl Unternehmen als auch Talente beim gezielten Zusammenfinden in einem komplexen Arbeitsmarkt.«
Neben Fachwissen achten Unternehmen bei Neueinstellungen besonders auf überfachliche Kompetenzen. An der Spitze stehen Kommunikationsfähigkeit, Zusammenarbeit und Teamwork (47 Prozent), gefolgt von Anpassungsfähigkeit und Lernbereitschaft (36 Prozent) sowie Professionalität und einer ausgeprägten Arbeitsmoral (33 Prozent). Ebenfalls häufig genannt werden kritisches Denken und Problemlösungskompetenz (28 Prozent) sowie digitale Kompetenzen (22 Prozent).