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Diabetes Typ 1

Keine Unterzuckerungs-Gefahr durch Stillen

Frauen mit Diabetes mellitus Typ 1 können ihr Kind gemäß den WHO-Empfehlungen stillen. Das Risiko nächtlicher Unterzuckerungen (Hypoglykämien) steigt dadurch nicht. Für Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes senkt Stillen sogar das Risiko, später an Typ-2-Diabetes zu erkranken.
Brigitte M. Gensthaler
03.02.2020
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Wenn Frauen mit Typ-1-Diabetes ihr Baby stillen wollen, haben sie oft Angst vor einer Unterzuckerung. Daher wurde den Müttern stets geraten, zusätzliche Kohlenhydrate, vor allem in der Nacht, zu sich zu nehmen, um nicht zu unterzuckern. Eine kleine Studie aus Dänemark zeigte, dass dies nicht notwendig ist, betont die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer Pressemeldung.

Die Autoren verglichen den Blutzuckerstatus von 26 stillenden Müttern mit 32 nicht stillenden Frauen mit Typ-1-Diabetes. Dabei erhielten die Stillenden keine Extraportion Kohlenhydrate. Während der sechsmonatigen Beobachtung gab es keine klinisch relevanten Unterschiede zwischen den Gruppen bezüglich des Hypoglykämie-Risikos. Trotz der geringen Probandenzahl hält Professor Dr. Ute Schäfer-Graf, Sprecherin der DDG-Arbeitsgruppe »Diabetes und Schwangerschaft«, die Daten für ausreichend, um Müttern mit Typ-1-Diabetes die Angst vor dem Stillen zu nehmen. Voraussetzung sei, dass sich die Frauen sehr genau an den aktuellen Insulinbedarf halten, regelmäßig den Blutzucker messen und die Menge der Kohlenhydrat-Aufnahme beachten.

Stillen schützt Frauen mit Gestationsdiabetes

Frauen mit Gestationsdiabetes (GDM) profitieren sogar vom Stillen. »Diese Frauen haben normalerweise ein mindestens siebenfach erhöhtes Risiko, nach der Entbindung an einem Diabetes Typ 2 zu erkranken«, verdeutlicht Schäfer-Graf. Neuere Studien zeigten, dass Stillen dieses Risiko auch langfristig senken kann. Mütter, die Kinder über einen längeren Zeitraum stillen, erkrankten seltener an Typ-2-Diabetes und dem metabolischen Syndrom.

Entscheidend scheint die Stilldauer zu sein. »Nur Mütter mit vormaligen GDM, die länger als drei Monate stillten, haben ein verringertes 15-Jahres-Risiko für Typ-2-Diabetes: 42 Prozent im Vergleich zu 72 Prozent bei Frauen, die nicht oder kürzer als drei Monate stillten«, heißt es im Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2020. Noch deutlicher sinke das Erkrankungsrisiko, wenn sie ihr Baby ausschließlich mit Muttermilch ernährten. Durch das Stillen konnte die Entwicklung von Typ-2-Diabetes um durchschnittlich zehn Jahre verzögert werden.

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