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AOK-Bundesverband

Kein Bedarf für höheres Apothekenhonorar

Der Bundesverband der Allgemeinen Ortskrankenkassen kritisiert, dass die geplante Apothekenreform eine Vergütung für zusätzliche pharmazeutische Dienstleistungen vorsieht. Laut einer Studie der AOK besteht aber gar kein zusätzlicher Versorgungsbedarf.
Ev Tebroke
03.04.2019
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Es sei völlig unklar, warum rund 100 Millionen Euro für sogenannte zusätzliche pharmazeutische Dienstleistungen in die Apotheken fließen sollen, ließ der Chef des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, heute wissen. Aus Sicht des Verbands sendet das Eckpunkte-Papier zur Apothekenreform von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), das sich derzeit in der Ressortabstimmung befindet, die falschen Signale. Es sei zwar richtig, die Nacht- und Notdienste der Apotheken aufzuwerten, denn das stärke das Engagement und die Versorgung in strukturschwachen Gebieten, so Litsch. Aber für einen weiteren Honorartopf für zusätzliche pharmazeutische Dienstleistungen sieht er keinen Grund. »Das zu lösende Versorgungsproblem muss erst noch erfunden werden.«

Hintergrund für seine Kritik ist das Vorhaben Spahns, die flächendeckende Arzneimittelversorgung zu stärken und die Apotheken in Deutschland zukunftssicher zu machen, insbesondere auch mit Blick auf den zunehmenden Versandhandel. Dazu ist unter anderem geplant, den Nacht- und Notdienst zu stärken und dessen Vergütung von derzeit 16 Cent auf dann 21 Cent pro Rx-Packung aufzustocken, das entspricht einem  zusätzlichen Honorarvolumen von rund 37 Millionen Euro. Zudem sollen die Apotheker künftig neue Dienstleistungen etwa zur Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) erbringen können und diese mit einem neuen Festzuschlag von 14 Cent pro  Rx-Packung vergütet bekommen. Das Volumen beträgt rund 105 Millionen Euro.

Für Litsch ist Letzteres nicht nötig. Seine Einschätzung resultiert aus einer aktuellen Forsa-Umfrage unter 2.000 Bundesbürgern, die die AOK in Auftrag gegeben hatte und die ein positives Image der Apothekenversorgung belegt. Denn bei der Frage nach der Zufriedenheit der Bundesbürger mit verschiedenen Infrastruktureinrichtungen sind die Apotheken auf dem ersten Platz – vor den Einkaufsmöglichkeiten vor Ort und vor den Hausärzten und Krankenhäusern. Demnach sind bundesweit 41 Prozent der Befragten sehr zufrieden und 52 zufrieden mit der Versorgung durch Apotheken, die Zufriedenheitsrate liegt damit mit 93 Prozent auf Platz 1. Bei den Einkaufsmöglichkeiten sind insgesamt 83 Prozent sehr zufrieden oder zufrieden. Bei der Hausarzt-Versorgung liegt die Zufriedenheitsrate bei 79 Prozent.

Was die Bedeutung der einzelnen Bereiche der Daseinsvorsorge begrifft, so lagen die Hausärzte mit 95 Prozent an der Spitze. Die Apotheken standen mit 86 Prozent an sechster Stelle hinter den Einkaufsmöglichkeiten vor Ort (93 Prozent), der Internetversorgung (90 Prozent), den Schulen und Bildungseinrichtungen (87) und den Krankenhäusern (ebenfalls 87 Prozent).

Auf die Frage, ob sich das Angebot mit Einrichtungen der Gesundheitsversorgung verbessert oder verschlechtert hat, sahen 18 Prozent der Befragten bei den Apotheken eine Verbesserung. Dabei scheint dieser Eindruck auf dem Land sogar stärker zu sein, als in städtische Gebieten. Lediglich 7 Prozent der Befragten halten die Versorgung hingegen für schlechter als vor ein paar Jahren. Zum Vergleich: Bei den Hausärzten sahen 20 Prozent eine Verschlechterung, bei den Fachärzten waren es 23 Prozent.

Für den Bundesverband belegen die Zahlen nun, dass es keinen Bedarf gebe für zusätzliche pharmazeutische Dienstleistungen. Was beispielsweise das Medikationsmanagement betrifft, so verweist Litsch auf AOK-Projekte unter Einbeziehung der Apotheker. »In solchen, auf die regionalen Bedarfe abgestimmten Vereinbarungen kann es sinnvoll sein, ergänzende pharmazeutische Dienstleistungen festzulegen«, betonte er. Die in der geplanten Apothekenreform vorgesehenen Verhandlungen auf Bundesebene hält er für nicht zielführend und kritisiert diese als »unspezifische und intransparente Gießkannenfinanzierung«.

Grundsätzlich sieht zwar auch die AOK einen strukturellen Anpassungsbedarf aufgrund des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels. Wenn es nach dem Willen der Kassen geht, dann würde die gesamte bestehende Apothekenlandschaft umgekrempelt, weg von der Apotheke vor Ort hin zu einer »Flexibilisierung der Betriebsformen von Apotheken«, wie etwa einer Aufweichung des Mehrbesitzverbots, der Einrichtung von Abgabeterminals mit Teleberatung und dergleichen.

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