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E-Health-Ausstattung

Kassen und Apotheker legen Zuschüsse fest

Schon bald sollen auch die Apotheken flächendeckend Teil der sogenannten Telematik-Infrastruktur werden. Zwar fehlen immer noch die dafür erforderlichen Konnektoren. Doch nun steht immerhin fest, wie die Anbindung finanziert werden soll.
Stephanie Schersch
09.01.2019
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Die Telematik-Infrastruktur (TI) ist eine Art Datenautobahn im Internet, die langfristig alle Akteure im deutschen Gesundheitswesen miteinander vernetzen soll. Leistungserbringer können dann gesichert miteinander kommunizieren und verschlüsselte Dokumente austauschen – eine Voraussetzung etwa für digitale Medikationspläne und das elektronische Rezept. Zunächst allerdings müssen alle Beteiligten technisch auf den gleichen Stand. Die dafür nötigen Investitionen sollen die Krankenkassen übernehmen. Mit dem Deutschen Apothekerverband (DAV) haben sie nun eine Vereinbarung geschlossen, die konkrete Zuschüsse festsetzt.

Apotheken erhalten demnach eine Pauschale von 1362 Euro für die Anschaffung eines sogenannten E-Health-Konnektors sowie zweier Kartenterminals. Für jedes weitere Lesegerät sind 450 Euro vorgesehen. Zudem gibt es 1280 Euro für den Aufwand rund um die Installation der nötigen Hard- und Software, für eventuelle Ausfallzeiten sowie die entsprechenden Schulungen. Wie viele Lesegeräte eine Apotheke erhält, hängt von der Anzahl der abgegebenen Rx-Packungen an gesetzlich Versicherte ab. Im Schnitt werden es voraussichtlich bis zu vier Terminals sein.

Um etwa auf Medikationspläne über die TI zuzugreifen, benötigt der Apotheker einen elektronischen Heilberufsausweis (HBA), mit dem er sich identifizieren kann. Darüber hinaus braucht jede Apotheke eine Institutionskarte, die sogenannten Security Module Card Typ B (SMC-B). Als Zuschuss zum HBA ist eine Zahlung von 449 Euro vorgesehen, mit der die Finanzierung für fünf Jahre abgedeckt werden soll, für den SMC-B sind es 378 Euro. Zusätzliche 210 Euro im Quartal sollen die entsprechenden Betriebskosten auffangen.

Abrechnung über den Notdienstfonds

Die Abwicklung der Zuschüsse soll über den Nacht- und Notdienstfonds erfolgen, der Apotheken heute eine Pauschale für jeden Notdienst auszahlt. Um das rechtlich überhaupt zu ermöglichen, wollen sich der DAV und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gemeinsam für eine gesetzliche Änderung starkmachen. Beide Seiten zeigten sich heute zufrieden mit ihrem Kompromiss. Die Vereinbarung schaffe die Voraussetzung, damit auch die Apotheker an das sichere Gesundheitsnetz angeschlossen werden »und damit ins Zeitalter von digitalem Medikationsplan und später elektronischem Rezept starten können«, so die Chefin des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer.Auch DAV-Vorstandsmitglied Thomas Dittrich sagte, die Apotheker hätten nun die nötige Klarheit und finanzielle Sicherheit, die TI-Ausstattung reibungslos umzusetzen.

Ein Problem bleibt vorerst allerdings bestehen. Denn bislang fehlen unter anderem die erforderlichen Konnektoren, um die technische Ausrüstung der Apotheken voranzutreiben. Sie ähneln einem DSL-Router, arbeiten aber auf einem höheren Sicherheitsniveau und sind in gewisser Weise das zentrale Element für die Anbindung an die TI. Bevor die Hersteller ihre Produkte auf den Markt bringen, müssen sie eine Zulassung bei der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte beantragen. Dort wollte man sich auf Nachfrage der PZ nicht zu den Zulassungsverfahren äußern. In der Apothekerschaft rechnet man teilweise damit, dass die Konnektoren erst in der zweiten Jahreshälfte zur Verfügung stehen werden. Ähnliche Probleme mit der Hardware hatten zuletzt bereits die Anbindung der Ärzte an die Telematik-Infrastruktur erheblich ins Stocken gebracht. Bislang soll lediglich ein Drittel der deutschlandweit 150.000 Arzt- und Zahnarztpraxen angeschlossen sein.

Sind die ersten Konnektoren für Apotheken auf dem Markt, ist zunächst ein Probelauf für die Arbeit mit elektronischen Medikationsplänen geplant. Ein entsprechender Feldtest mit Arztpraxen, Kliniken und insgesamt 15 Apotheken sollte eigentlich bereits im Herbst in Westfalen-Lippe starten. Er musste jedoch aufgrund der fehlenden Komponenten verschoben werden.  Erst nach der Auswertung einer achtwöchigen Testphase soll im Anschluss der bundesweite Rollout der Technik folgen. 

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