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Arzneimittelkosten

Kanada tritt auf die Bremse

Die kanadische Regierung will die Ausgaben für verschreibungspflichtige Medikamente in ihrem Land drücken. Zu diesem Zweck stellt sie neue Regeln für die Preisfindung auf, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.
Christina Müller
02.09.2019
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Die Kosten für patentierte Medikamente sind in Kanada so hoch wie in kaum einem anderen Land auf der Welt. Um im Arzneimittelsektor Geld zu sparen, hat die Regierung jetzt in puncto Preisfindung die größte Reform seit 1987 auf den Weg gebracht: Dem Bericht von Reuters zufolge fliegen die USA und die Schweiz aus der Liste der Vergleichsländer. Denn dort seien Arzneimittel sogar noch teurer als in Kanada, heißt es. Frankreich, Deutschland, Schweden, Italien und das Vereinigte Königreich bleiben demnach Referenzländer. Hinzu kommen Norwegen, Australien, die Niederlande, Spanien, Belgien und Japan. Diese Änderung betreffe nicht nur neue Patentarzneien, sondern könne auch sinkende Preise im Bestandsmarkt nach sich ziehen.

Darüber hinaus müssen sich einige Medikamente künftig an ihrem Kosten-Nutzen-Verhältnis messen lassen. Je nach Listenpreis sind die Hersteller verpflichtet, den Aufsichtsbehörden alle verfügbaren Analysen bereitzustellen, die dann von einer mit öffentlichen Geldern finanzierten Organisation ausgewertet werden sollen.

Um abschätzen zu können, welche Kosten für einzelne Präparate auf das Gesundheitswesen zukommen, müssen die Pharmaunternehmen zudem melden, wie hoch der zu erwartende maximale Gebrauch sein wird. So könne die zuständige Behörde für Arzneimittelpreise (Patented Medicine Prices Review Board, PMPRB) in ihre Überlegungen mit einbeziehen, ob das Mittel für den breiten Einsatz gedacht ist oder nur bei einigen wenigen Patienten zu Anwendung kommen soll.

Das PMPRB, das im Zuge der Reform neue Aufgaben und Befugnisse erhält, erarbeitet laut Artikel derzeit Richtlinien zur Umsetzung der Vorgaben. Die Veröffentlichung ist für September geplant. Erwartungsgemäß lassen sich innerhalb von zehn Jahren durch die Neuregelungen etwa 13,2 Milliarden Kanadische Dollar (rund 9 Milliarden Euro) einsparen, heißt es. Sie sollen am 1. Juli 2020 in Kraft treten.

 

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