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Pharmaziestudium

Kammer finanziert Professur für Klinische Pharmazie in Münster

Erstmals will eine Apothekerkammer eine Professur für Individualisierte Pharmakotherapie in Münster finanzieren. Der Schwerpunkt soll auf AMTS liegen. Dadurch soll auch die Ausbildungskapazität um  zehn Studienplätze pro Jahr erhöht werden. Und auch für die PTA-Schulen in Westfalen-Lippe gibt es gute Nachrichten.
Daniela Hüttemann
11.11.2020  18:00 Uhr

Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) will eine Stiftungsprofessur im Bereich Klinische Pharmazie an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) für zehn Jahre finanzieren. »Hier steht einmalig ein Fenster offen«, betonte Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening. Denn die Stiftungsprofessur für »Individualisierte Pharmakotherapie« soll im Anschluss in eine voll von der WWU finanzierte Professur übergehen. Die AKWL will für zehn Jahre die Personalkosten von insgesamt rund 3 Millionen Euro übernehmen, während die Universität Ausstattung und Sachmittel übernimmt. Zusätzlich sollen Drittmittel eingeworben werden.

Die W2-Professorenstelle, an die auch zwei neue Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter geknüpft sind, ist mit einer Ausweitung der Ausbildungskapazitäten verbunden. So sollen ab dem Sommersemester 2022 jährlich zehn Pharmaziestudenten mehr pro Jahr ausgebildet werden. »Wir brauchen diesen Nachwuchs dringend«, verdeutlichte Overwiening. Dabei seien diese zehn zusätzlichen Abgänger eine erste mittelfristige, leichte Linderung des gravierenden Personalmangels. Die AKWL fordert weiterhin die Einrichtung des Pharmaziestudiums in Ostwestfalen-Lippe, genauer gesagt am Standort der Universität Bielefeld in Kooperation mit der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo, wo bereits der Studiengang Pharmatechnik angeboten wird. Doch hier ist man von einer Einigung und Finanzierung noch relativ weit entfernt.

In Münster soll mit der Stiftungsprofessor nun die klinische Pharmazie fest verankert werden, die hier bislang keine eigene Professorenstelle hatte, erläuterte Professor Dr. Klaus Langer, Institutsdirektor am Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie in Münster. Neben der innovativen Finanzierung erstmals durch eine Apothekerkammer soll auch mit der Ausrichtung der Forschung und Lehre Neuland betreten werden: Pharmakogenetik, Proteomik und Metabolomik oder personalisierte Arzneiformen wie Tabletten aus dem 3-D-Drucker sollen Forschungsschwerpunkte werden.

Zu den Lehraufgaben zählen Biopharmazie sowie Pharmakokinetik, -genetik, -epidemiologie und -ökonomie. »Wir bringen damit auch neue Inhalte ins Studium«, betont Langer. Im Fokus stehe dabei die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS). »Wir können die zukünftigen Apotheker so noch einmal deutlich besser in Richtung patientenindividuelle Beratung ausbilden.« Es handle sich um ein Leuchtturmprojekt, mit dem nicht nur der Studienstandort Münster gestärkt werde, sondern auch die Beratungskompetenz in der öffentlichen Apotheke

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