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Regeln für die Onlinewelt
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Jugend wählt Selbstschutz

Obwohl junge Menschen täglich online sind, sprechen sich viele für Grenzen der Social-Media-Nutzung aus. Der neue TK-Report zeigt, welche Belastungen sie selbst empfinden. Experten überrascht die Sorge der Jugendlichen um andere.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 27.08.2026  12:30 Uhr

Unterstützung gewünscht

Eine weitere Beobachtung der Kasse: Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Verspannungen, Bauchschmerzen oder gereizte Augen treten bei Vielnutzerinnen und -nutzern häufiger auf. Ein ursächlicher Zusammenhang lasse sich aus den Daten jedoch nicht ableiten, heißt es.

Die Jugendlichen versuchen, Belastungen durchaus aktiv gegenzusteuern: 37 Prozent entfolgen oder blockieren bestimmte Profile, 28 Prozent schalten Benachrichtigungen aus, ein Viertel legt das Smartphone bewusst weg. Gleichzeitig wünschen sich viele mehr Unterstützung – etwa durch Aufklärungsvideos, Ansprechpersonen an Schulen oder Gespräche mit den Eltern. Ziel müsse es sein, Lösungen im gemeinsamen Dialog zu finden, so ein Fazit der Pressekonferenz.

Lebenserfahrung fehlt

Das Science Media Center (SMC) hat Expertinnen und Experten um eine Einordnung des TK-Reports gebeten. Dr. Isabel Brandhorst, Leiterin der Forschungsgruppe Internetnutzungsstörungen am Universitätsklinikum Tübingen, sieht die Ergebnisse als Stimmungsbarometer dafür, wie Jugendliche Social Media erleben. Sie hält Jugendliche für fähig, ihr Empfinden gut einzuschätzen – langfristige Folgen könnten sie jedoch weniger beurteilen, weil ihnen Erfahrung und Zukunftsperspektive fehlten.

Inhaltlich stimmen die Wünsche der Jugendlichen stark mit fachlichen Empfehlungen überein, inklusive einer Altersgrenze um 14 Jahre. Allerdings fehlen in der Aufzählung der Risiken Aspekte wie Körperbild, Suchtpotenzial und Konzentrationsprobleme.

Third-Person-Effekt

Kommunikationswissenschaftler Julius Klingelhoefer von der Universität Erlangen-Nürnberg bewertet den Report kritischer. Zwar zeigen hohe Nutzungszeiten schlechtere psychische und physische Werte, doch seien solche Unterschiede kein Beleg für Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge. Experimente zu Digital Detox zeigten zwar positive, aber deutlich kleinere Effekte, als der Report vermuten lasse.

Interessant sei der Third-Person-Effekt: Viele empfinden Social Media als hilfreich für sich selbst, befürworten aber dennoch Verbote – aus Sorge um andere. Zudem fehle ein Blick auf Werbung und Glücksspielmechanismen.

Insgesamt herrsche kein wissenschaftlicher Konsens: Die Effekte der Social-Media-Nutzung seien nicht gut genug erforscht, um Verbote zu begründen. Gleichzeitig müsse das Recht auf Information gewahrt bleiben und Jugendliche auf die digitale Gesellschaft vorbereitet sein. Die Herausforderung liege darin, Schutz und Teilhabe auszubalancieren.

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