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AOK-Bericht

Jede zweite Antibiotika-Verordnung nicht erste Wahl

Größter Antibiotikaverbrauch in der Tierhaltung

Größter Antibiotikaverbrauch in der Tierhaltung

Die AOK betont aber auch, dass der Einsatz in der Humanmedizin nur die Spitze des Eisbergs sei. Hier werden andere Zahlen verwendet: So erhielten Menschen in Deutschland im vergangenen Jahr insgesamt 339 Tonnen Antibiotika, während es in der heimischen Tierhaltung für die Lebensmittelproduktion rund 670 Tonnen waren. Von den insgesamt mehr als 1000 Tonnen in Human- und Veterinärmedizin entfielen laut WIdO mindestens 376 Tonnen auf Reserveantibiotika.

Deutschland liege im durchschnittlichen Verbrauch von Antibiotika mit 89,9 mg pro Kilogramm Nutztier um ein Vielfaches höher als andere europäische Ländern wie  Norwegen (2,9 mg je Kilogramm), Schweden (12,2 mg je Kilogramm), Dänemark (40,8 mg je Kilogramm) oder den Niederlanden (52,7 mg je Kilogramm).

Industrie braucht stärkere Anreize für Antibiotika-Forschung

»Neben einer behutsameren Verordnung in der Human- und Tiermedizin werden auch Wirkstoffe mit neuen Wirkprinzipien benötigt, die in der Lage sind, die vorhandenen Resistenzen zu überwinden«, betont das WIdO. Doch hier sehe es weiterhin düster aus. In den letzten zehn Jahren kamen nur acht neue antibiotische Wirkstoffe in Deutschland auf den Markt, die Pipeline ist alles andere als gut gefüllt, und zuletzt hatten sich immer mehr große Hersteller aus der Antibiotika-Forschung verabschiedet. »Die Pharmaindustrie fokussiert sich lieber auf Wirkstoffe, mit denen höhere Preise und höhere Umsätze erzielt werden können«, kritisiert Schröder. Die derzeitigen Anreize reichten wohl nicht aus.

»Gemäß standardökonomischer Theorie wären staatliche Interventionen angezeigt, sofern sie die Situation verbessern können«, meint der stellvertretende WIdO-Chef. Im Bereich der Antibiotika-Forschung werde auch über eine grundsätzlich öffentliche Finanzierung von Forschung und Entwicklung diskutiert. »Die pharmazeutische Industrie könnte dann im Rahmen von Lizensierungsmodellen die Produktion und den Vertrieb übernehmen«, so Schröder. Dass es schnell gehen könne mit der Arzneistoffentwicklung, wenn Wille und Förderung da sind, zeige die aktuelle Corona-Pandemie.

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