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Diabetes-Leitlinien

IQWiG vermisst Empfehlungen zu Multimedikation

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) wünscht sich in den Leitlinien zur Behandlung von Typ-2-Diabetikern mehr Aufmerksamkeit für Probleme, die aus der Anwendung zahlreicher Arzneimittel resultieren. Das geht aus einem kürzlich veröffentlichen Bericht des Instituts hervor.
Christina Müller
10.12.2019  16:52 Uhr

Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) durchforstete das IQWiG 37 aktuelle evidenzbasierte Leitlinien, die nach Juli 2013 publiziert wurden. Die Forscher extrahierten Kernaussagen zu Diagnostik, Therapie, Folgeerkrankungen und anderen Versorgungsaspekten mit dem Ziel, einen möglichen Aktualisierungsbedarf des sogenannten Disease-Management-Programms (DMP) Diabetes mellitus Typ 2 zu identifizieren. Dabei handelt es sich um ein strukturiertes Behandlungsprogramm, bei denen die Patienten durch eine kontinuierliche Betreuung vor Folgeerkrankungen geschützt werden sollen.

»In das DMP Diabetes mellitus Typ 2 eingeschriebene Patienten sind im Durchschnitt 68 Jahre alt und leiden in der Regel an einer ganzen Reihe weiterer Erkrankungen, die medikamentöser Behandlung bedürfen«, teilen die Kölner Wissenschaftler mit. »Trotz des Umstands, dass viele an Diabetes mellitus Typ 2 Erkrankte Antidiabetika verordnet bekommen und mehrere behandlungspflichtige Begleiterkrankungen aufweisen, werden in den Leitlinien nur selten differenzierte Empfehlungen zum Umgang mit dem Problem der Multimedikation formuliert.«

Lutz Altenhofen, Leiter des IQWiG-Ressorts Versorgung und Gesundheitsökonomie, betonte auf Anfrage der PZ das Dilemma, vor dem praktisch tätige Ärzte stünden, wenn bei einem Patienten mehrere behandlungsbedürftige Erkrankungen auftreten. »Es fehlt einfach an geeigneten Empfehlungen in den meist fachmedizinischen Leitlinien zum Umgang mit Multimedikation bei multimorbiden Patienten«, monierte er. »Insofern kann es kaum wundern, wenn dieses Thema auch in den DMP-Richtlinien nur sehr kursorisch angesprochen wird.« Hoffnung setzt er in die überarbeitete Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) zur Multimedikation, die in Kürze vorliegen soll.

In der aktuellen Version der DMP-Anforderungen-Richtlinie empfiehlt der G-BA den Behandlern zum Beispiel, mindestens einmal im Jahr sämtliche von dem Patienten tatsächlich eingenommene Arzneimittel, einschließlich der Selbstmedikation, strukturiert zu erfassen und deren mögliche Nebenwirkungen und Interaktionen zu berücksichtigen, um Therapieänderungen oder Dosisanpassungen frühzeitig vornehmen zu können. Zudem soll der Betroffene einen Medikationsplan erhalten. »Dieser soll der dem Patienten oder einer Betreuungsperson in einer verständlichen Form zur Verfügung gestellt und erläutert werden«, heißt es in der Richtlinie.

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