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Studie an Mäusen
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Inulin-Gel könnte Nahrungsmittelallergien unterdrücken

Daten einer neuen Tierstudie liefern überzeugende Hinweise darauf, dass eine orale Immuntherapie auf der Basis eines Inulin-Gels Nahrungsmittelallergien wirksam unterdrücken kann, indem sie das Mikrobiom des Dünndarms moduliert und eine dauerhafte Immuntoleranz induziert.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 11.07.2024  15:30 Uhr
Inulin-Gel könnte Nahrungsmittelallergien unterdrücken

Mit Palforzia® ist seit 2020 in der Europäische Union ein Arzneimittel für die orale Immuntherapie (OIT) zur Behandlung von Erdnussallergie bei Kindern im Alter von 4 bis 17 Jahren und bei Patienten zugelassen, die im Laufe der Behandlung das Erwachsenenalter erreichen. Dies ist ein Pulver, das eine geringe Menge an Erdnussproteinen enthält. 10 bis 20 Prozent der Patienten brechen allerdings die Therapie aufgrund von unerwünschten Ereignissen, vor allem gastrointestinaler Unverträglichkeiten, ab. Zudem bleibt der Therapieerfolg überschaubar.

Jetzt beschreibt ein Kollektiv von Forschenden um Dr. Kai Han und Fang Xie vom Department of Pharmaceutical Sciences der University of Michigan in einer in »Nature Materials« veröffentlichten Arbeit, wie eine orale Immuntherapie auf der Basis eines Inulin-Gels allergische Reaktionen bei Mäusen erfolgreich stoppt, indem die Therapie zumindest zum Teil auf Bakterien im Darm abzielt. Inulin ist ein weithin als sicher anerkannter Ballaststoff.

Das Forschungsteam nutzte Metabolomik- und Mikrobiomanalysen, um das Zusammenspiel zwischen Darmhomöostase, Immunprofilen und Nahrungsmittelallergien zu untersuchen. Es konnte zeigen, dass das von ihnen verwendete Inulin-Gel schwere allergische Reaktionen während und sogar nach der Verabreichung verhindert, einschließlich Reaktionen auf häufige Allergene wie Erdnüsse, Hühnereiweiß und Milch, die betroffenen Patienten große Probleme im Alltag bereiten.

Den Ursachen auf der Spur

Die experimentellen Daten legen nahe, dass durch die Behandlung mit dem Inulin-Gel zumindest teilweise die Ursache von Lebensmittelallergien adressiert und nicht nur Symptome behandelt werden.

Durch die Einarbeitung von Allergenen in eine Inulin-Gelmatrix kann nicht nur die Allergenretention im Dünndarm, sondern auch die Aufnahme der Allergene in Antigen-sammelnde dendritische Zellen (DCs) im Dünndarm verbessert werden, was zu oraler Toleranz und anhaltender Unempfindlichkeit führt. In der Folge werden pathogene Typ-2-Immunantworten zu Gunsten von TH1-Immunantworten reduziert und die Zahl der Interferon-γ- und Interleukin-10-produzierenden regulatorischen T-Zellen gesteigert, was zu einer Verringerung der lebensmittelallergischen Reaktionen beiträgt.

Schließlich wird die dysregulierte Darmmikrobiota in allergischen Mäusen normalisiert, indem es unter anderem in allergischen Mäusen zu einer vermehrten Ansiedlung von Eggerthellaceae und Enterorhabdus kommt. Diese Bakterien scheinen eine entscheidende Rolle bei der Immunregulation zu spielen.

Im Tiermodell ließ sich durch die Verabreichung des Inulin-Gels ein Rückgang der Pvalbumin (OVA)-spezifischen IgE-Werte und der Mastzelldegranulationsmarker im Jejunum demonstrieren. Ebenfalls zeigten die Inulin-Gel/Allergen-Formulierungen einen signifikanten Schutz in verschiedenen Modellen von Nahrungsmittelallergien, darunter auch solche, die durch Erdnüsse ausgelöst werden.

Im Gegensatz zu Diäten mit hohem Inulin-Gehalt, von denen bekannt ist, dass sie Typ-2-Entzündungen auslösen, deutet sich für das niedrig dosierte Inulin-Gel eine gute Verträglichkeit an. Auch ließ sich zeigen, dass nach Absetzen der oralen Immuntherapie die behandelten Mäuse eine lang anhaltende Immuntoleranz aufwiesen.

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