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Magensaftresistente Arzneimittel

Interaktionen mit PPI sind selten – aber es gibt Ausnahmen

Protonenpumpenhemmer (PPI) haben meist keinen relevanten Einfluss auf die Wirkung magensaftresistenter Arzneimittel. Kontraindiziert ist allerdings die gleichzeitige Einnahme der Methylphenidat-Präparate Medikinet® adult und Medikinet® retard. Grund ist eine spezielle Galenik der Präparate.
Lisa Goltz
Jane Schröder
20.09.2021  07:00 Uhr

In den Fachinformationen von Pantoprazol-Präparaten finden sich keine Hinweise auf eine grundsätzliche Beeinträchtigung der Wirksamkeit von magensaftresistenten Arzneimitteln. Die Hemmung der Protonenpumpen durch PPI lässt die intragastralen pH-Werte auf über 3 oder 4 ansteigen. Die Löslichkeit magensaftresistenter Überzüge ist von der Art des eingesetzten Überzugs abhängig. Je nach Filmbildner ist eine Löslichkeit ab einem pH größer als 4,5 bis 7,0 anzunehmen.

Daher ist davon auszugehen, dass der Effekt der pH-Erhöhung durch PPI meist keinen Einfluss auf die Pharmakokinetik von magensaftresistenten Formulierungen hat. Ein Beleg dafür ist Pantoprazol selbst. Es muss als magensaftresistente Formulierung gegeben werden, um wirksam zu sein. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die Pharmakokinetik bei einmaliger oder wiederholter Anwendung nicht unterscheidet.

Ausnahme: Medikinet

Es gibt allerdings eine Ausnahme: PPI dürfen nicht zusammen mit den Methylphenidat-Präparaten Medikinet® adult und Medikinet® retard eingenommen werden. Beide Arzneimittel verfügen über eine zweistufige Galenik mit 50 Prozent schnell und 50 Prozent verzögert freisetzendem Methylphenidat.

Die weißen, unretardierten Pellets lösen sich im Magen sofort auf. Das daraus freigesetzte Methylphenidat wird vorwiegend direkt über die Magenwand resorbiert. Die blauen Pellets haben eine magensaftresistente Umhüllung, die dazu führt, dass sie im Magen bis zu einem pH-Wert von 5,5 intakt bleiben. Erst nach dem Transport in den Dünndarm (pH 6,8) lösen sich die blauen Pellets auf.

Bei Gabe eines PPI besteht das Risiko, dass sich die blauen Pellets früher auflösen. Damit wäre die Wirkung in den ersten Stunden stärker, würde aber nur wenige Stunden anhalten. Die gewünschte Retardierung wäre nicht gewährleistet.

Die klinische Relevanz der Interaktion ist bisher nicht untersucht. Da die Folgen für den Patienten aber schwerwiegend sein könnten, ist die empfohlene besondere Vorsicht gerechtfertigt. Andere Methylphenidat-Präparate mit veränderter Wirkstofffreisetzung sind nicht betroffen und sollten bei Patienten mit gleichzeitiger PPI-Behandlung bevorzugt eingesetzt werden. Sie haben eine andere Galenik und setzen den Wirkstoff unabhängig vom Magen-pH retardiert frei. Im CAVE-Modul der ABDA-Datenbank ist ein entsprechender Interaktionshinweis für die betroffenen Präparate hinterlegt, sodass im Apothekenalltag eine adäquate Unterstützung besteht.

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