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Lapacho, eine wiederentdeckte Heilpflanze derInkas

08.09.1997
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Govi-Verlag

Lapacho, eine wiederentdeckte Heilpflanze der Inkas

Schon die Inkas verwendeten die Rinde des Lapachobaumes (Tabebuia avellanedae Lorentz ex Griseb.) als Heilpflanze bei einer Vielzahl von Krankheiten. Nach jahrhundertelanger Vergessenheit wurde sie von brasilianischen Ärzten und Forschern vor etwa 40 Jahren wieder entdeckt. Seit dieser Zeit wird die noch heute bei den Callawaya-Indianern verwendete Lapachorinde unter anderem erfolgreich zur Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens und zur Stärkung des Immunsystems auch bei uns angewendet.

Die Gattung Tabebuia Gam. ex DC. gehört zur Familie der Bignonaceae (Trompetenblumengewächse) und umfaßt über 125 Arten, die von Nordargentinien bis Mexiko und den Antillen vorkommen. Viele Arten wachsen in tropischen Regenwäldern, in geringerem Maße ist der Baum auch in Trockenbuschgesellschaften anzutreffen.

Systematik und Verbreitung

Zu einer der bekanntesten Arten gehört der im nördlichen Südamerika beheimatete Lapachobaum, Tabebuia avellanedea Lorentz ex Griseb. Die Pflanze besitzt eine Vielzahl von Synonymen. Dazu gehören beispielsweise Tabebuia - früher auch unter dem Gattungsnamen Tecoma eingeordnet - Tabebuia avellanedae var. paulesnsis Toledo, T. dugandii Standl (Kolumbien), T. exima (Miq.), T. ipe (Mart. ex Schum.) Standl. und andere.

Die Rinde des Lapachobaumes war bereits bei den Wikingern bekannt. Sie tauschten die Rinde gegen Edelsteine ein und brachten die Wunderdroge so nach Europa. Weiterhin wird berichtet, daß ein russischer Zar durch den Genuß von täglich einer Tasse Lapachotee 130 Jahre alt geworden sei. Von dem Abt Murier aus einem mazedonischen Kloster liegt aus dem Jahre 1305 eine Bestätigung vor, daß der Tee in dieser Zeit in Europa und im Orient bei vielen gesundheitlichen Problemen verordnet wurde, sicherlich nur für sehr begüterte Personen. Der bekannte Bergsteiger Luis Trencker hatte immer einen Beutel Lapachotee bei sich. Er nannte diesen Medizinbeutel den Schatz der Inkas.

Inhaltsstoffe


Im Kernholz des Lapachobaumes ist bis zu 3,7 Prozent Lapachol in kristalliner Form enthalten. In der Rinde findet es sich in bedeutend geringerem Maße (etwa 0,2 Prozent). Die bis 40 µm großen mikrokristallinen, prismenförmigen Kristalle sind mikroskopisch deutlich zu erkennen. In Alkohol lösen sich die Lapacholkristalle mit intensiv gelbroter bis granatroter Farbe.

Weiterhin finden sich 0,55 bis 1,5 Prozent ätherisches Öl mit einer Reihe von Verbindungen, Derivate des Phenols, die zum Teil für den Geruch der Droge mit verantwortlich sind: Vanillin (I), Vanillinsäure (II), Anissäure (III), Anisaldehyd (IV), Veratrumsäure (V) und andere. Als wirksame Inhaltsstoffe gelten die Naphthochinone wie Lapachol (VI), Dehydro-alpha-Lapachon (VII) und Dehydro-iso-alpha-Lapachon (VIII). Sie tragen wesentlich zur Wirksamkeit der Droge beziehungsweise der daraus gewonnenen Extrakte bei. Allerdings schwankt die quantitative Verteilung der einzelnen Substanzen zum Teil beträchtlich, wie Bladt bei einer Vergleichsstudie von fünf Lapacho-Teeproben unterschiedlicher Herkunft feststellte.

Ferner enthält die Rinde noch weitere wirksame Naphthochinderivate sowie 3,3 bis 4,5 Prozent Harz, eine wachsartige Masse, die bei der Verseifung unter anderem Cerylalkohol und Lignocerinsäure liefert sowie 0,95 bis 1,2 Prozent Lactonoide und 0,85 bis 1,4 Prozent glykoside Bitterstoffe. Im frischen Jungholz lassen sich 0,025 bis 0,042 Prozent eines bitteren B-Glucosids sowie neutrale Saponine nachweisen (12). Für die adstringierende Wirkung der Lapachorinde ist der hohe Gerbstoffgehalt von 10 bis 18 Prozent und 3 bis 4 Prozent Gerbstoffsäure verantwortlich (12,16).

Anwendung der Lapachorinde

In der Volksmedizin fanden bereits bei den Inkas wäßrige Extrakte der Lapachorinde bei einer Vielzahl von Krankheiten Anwendung. Die Nachkommen der Inkas, die Indianer von Peru, Paraguay und Bolivien, insbesondere die Callaway-Indianer, setzen diese Tradition fort. Sie verwenden die Droge erfolgreich zur Behandlung von Tumoren, Leukämie, fieberhaften Erkrankungen, Asthma, Magenschmerzen, Magenbeschwerden (Gastritis), Rheuma oder bei Pilzinfektionen sowohl äußerlich als auch innerlich.

Erst vor etwa 40 Jahren wurde von brasilianischen Ärzten und Wissenschaftlern die Lapachopflanze wieder neu entdeckt und seither einer intensiven Untersuchung unterzogen. Aus der Vielzahl der Veröffentlichungen der unterschiedlichen Arbeitsgruppen werden bei Einsatz von Extrakten der Lapachorinde folgende wichtige Wirkungsspektren beschrieben:
  • Antitumorale Aktivität: Abbott und Mitarbeiter vom National Cancer Institut (USA) konnten die antitumorale Aktivität belegen, während Hartwell alle Tumorerkrankungen auflistete, die mit Lapachotee-Extrakten behandelt wurden. Über eine starke In-vivo-Inhibierung verschiedener Tumorarten durch hipophile Hexan-Rindenextrakte berichteten Santana und Mitarbeiter. Wäßrige Extrakte erwiesen sich hierbei als geringer wirksam.

    Von den enthaltenen Inhaltsstoffen zeigen die Naphthochinonderivate 5-Hydroxy-2 (1'-hydroxyethyl) naphtho/2,3-b/furan-4,9-dion und 2-Acetylnaphtho/2,3-b/furan-4,9-dion sowie die Veratrumsäure und Veratrumaldehyd eine Steigerung der Lymphozytenproliferation. Im KB-Cell-Test wurde eine gute cytotoxische Wirkung erzielt. Sie können somit als wichtige immunstimulierende Verbindungen der Lapachorinde angesehen werden. Weiterhin wurde gefunden, daß sie, ebenso wie das (-)-Dehydroiso-alpha-Lapachon in sehr niedrigen Dosen wirken. So ist bei Konzentrationen von 100 µg und 100 ng/ml eine ausgeprägte Cytotoxizität und Immunsuppression festzustellen.

    Allerdings ist vor einer Eigentherapie von Tumoren oder Wucherungen mit Lapachotee oder -extrakten dringend abzuraten, da bis heute eindeutige klinische Ergebnisse beim Menschen entweder selten sind oder noch ausstehen.
  • Antimikrobielle Aktivität: Eine starke Wirkung durch die tägliche Einnahme von Lapachotee gegen Candida-albicans-Infektionen beschreibt Duke. Hingegen konnte Truss bei Einsatz eines wäßrigen Extraktes keine direkte antimykotische Wirkung bei Candida-Kulturen feststellen. Dapper berichtet über die positive antibiotische Wirkung von Lapachotee-Extrakten gegenüber gramnegativen und -positiven Bakterien. Erfolge wurden auch bei Staphylococcus aureus erzielt.
  • Antiinflammatorische Aktivität: Über einen positiven Einfluß auf das Rattenpfotenödem berichten Oga und Mitarbeiter.

Wie bereits anfangs erwähnt, wird Lapachotee auch zur Steigerung des Wohlbefindens, Verbesserung der Konzentration und der Ausdauer verwendet und von verschiedenen Firmen angeboten. Zu diesen Zwecken werden jeweils zwei Teelöffel Lapachotee in einen Liter kochendes Wasser gegeben, fünf Minuten ziehen gelassen und nach dem Durchseihen über den Tag verteilt getrunken. Dies soll sechs Wochen lang erfolgen. Nach vierwöchiger Pause wird die sechswöchige Teekur wiederholt.

PZ-Artikel von Johannes Seidemann, Potsdam

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