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Neue Arzneiformen verbessern die Verträglichkeit

09.06.1997
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-Pharmazie

  Govi-Verlag

Neue Arzneiformen verbessern die Verträglichkeit

  Bei der therapeutischen Anwendung von Hormonen kommen heute noch überwiegend klassische Arzneiformen zur Anwendung. Inzwischen gibt es aber eine Reihe neuer Applikationsformen, die die Anwendungshäufigkeit reduzieren sowie Wirksamkeit, Verträglichkeit und damit die Compliance verbessern. Einen Überblick über neue Arzneiformen zur Behandlung hormoneller Störungen gab Professor Dr. Rolf Daniels vom Institut für Pharmazeutische Technologie der Universität Braunschweig.

Mikropartikel und Implantate auf der Basis biologisch abbaubarer Polymere eröffnen die Möglichkeit, nach subkutaner oder intramuskulärer Applikation auch Peptidhormone gleichmäßig über mehrere Monate freizusetzen. Mikropartikel sind feste partikuläre Arzneiträger mit einem Durchmesser von meist weniger als 250 µm, die es als Mikrokapseln oder Mikrosphärulen gibt. Bei den Kapseln ist ein arzneistoffhaltiger Kern von einer Polymerhülle umgeben. In den Mikrosphärulen ist der Wirkstoff in einer Polymermatrix gleichmäßig verteilt. Die Wirkstofffreigabe wird in beiden Fällen durch das Polymer gesteuert.

Implantate sind spaghettiförmige Polymerstäbchen mit einem Durchmesser von circa einem und einer Länge von bis zu 17 Millimetern. Diese Größe darf nicht überschritten werden, um eine schmerzarme Applikation sowie eine reizarme Deponierung im Körper zu gewährleisten. Die Wirkstoffabgabe erfolgt in beiden Fällen entweder durch Diffusion oder durch Erosion. Eine optimale konstante Freisetzung ist mit Hilfe von Mikropartikeln und Implantaten noch nicht erreichbar.

Da viele Sexualhormone durch die Haut permeieren können, stellen topisch anzuwendende Arzneimittel mittlerweile eine gängige Form der hormonellen Wirkstoffapplikation dar. Dabei kommen Cremes oder Gele zur Anwendung, die aber den Nachteil haben, daß sie auf Kontaktpersonen übertragen werden können. Außerdem ist die applizierte Menge schlecht zu kontrollieren und die Wirkstofffreigabe schlecht zu steuern. (Zum Thema Estrogengel lesen Sie auch in PZ 22/97, Seite 48)

Vorteile bieten in dieser Hinsicht Transdermale Therapeutische Systeme (TTS). Hier werden Membran- und Matrixpflaster unterschieden. Bei Membranpflastern kann es durch eine Beschädigung der Membran zu einer Sturzentleerung mit entsprechender Überdosierung kommen. Deshalb sollte die Verpackung eines solchen Pflasters niemals mit einer Schere geöffnet werden.

Insgesamt haben alle Pflaster den Vorteil, daß sie einen konstanten Plasmaspiegel erzeugen und daß systemische Nebenwirkungen meist vermieden werden. Es können aber Hautirritationen auftreten. Aus diesem Grund sollte man die Applikationsstelle wechseln und jeweils eine gesunde, trockene Hautstelle (zum Beispiel im hinteren Hüftbereich) auswählen. Die Anwendung eines Hormonpflasters auf den Brüsten ist kontraindiziert, da es hier zu lokalen Überdosierungen kommen kann. (Zum Thema TTS lesen Sie auch den Titel in PZ 42/96)

Möglichkeiten der Behandlung eines lokalen Estrogenmangels sind Vaginalsalben oder -cremes, Ovula und Vaginaltabletten. Nachteilig ist, daß sie einmal täglich appliziert werden müssen. Eine neue Alternative bietet der Vaginalring, der über drei Monate konstant den Wirkstoff abgibt. Systemische Wirkungen gibt es beim Vaginalring nicht. (Ausführlicheres zum Vaginalring lesen Sie in PZ 16/97, Seite 47)

PZ-Artikel von Monika Noll, Meran
   

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