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Hypotone Kreislaufstörungen

25.01.1999  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-Verlag

PHARMACON DAVOS

Hypotone Kreislaufstörungen

von Christiane Berg, Davos

Hypotonie-bedingte Beschwerden sind Ausdruck einer cerebralen Minderdurchblutung mit vegetativen Dysfunktionen. Während junge Menschen eher unter harmlosen Störungen einer orthostatischen Intoleranz und "hypotonen Befindensstörungen" leiden, werden ältere Menschen, Patienten mit Diabetes mellitus, mit Morbus Parkinson oder mit Dysautonomien von einem plötzlichen Blutdruckabfall mit Schwindelattacken, Sturzsynkopen, Insulten und Herzinfarkten bedroht.

Der Krankheitswert eines "zu niedrigen Blutdruckes" wurde in Deutschland lange Zeit überbewertet, der Rolle der akuten Hypotonien mit Synkopen und Folgeschäden hingegen bis heute eine zu geringe Beachtung geschenkt, sagte Professor Dr. Hartwig Schönborn, Sande.

Nichtmedikamentöse Allgemeinmaßnahmen

Ätiologisch könnten primäre (essentielle) und sekundäre Hypotonien unterschieden werden ( Herr Ruthard: siehe Tab. 1, S. 22). Um praktisch-therapeutischen Gesichtspunkten gerecht zu werden, müsse man zwischen akuter Hypotonie, chronischer Hypotonie und den verschiedenen Formen der orthostatischen Hypotonie wie sympathikotone, asympathikotone und vasovagale Dysregulation unterscheiden. Die Therapiestrategie müsse sich außerdem an den Ursachen der Hypotonie und ihren Pathomechanismen orientieren.

Hypotonie-bedingte Beschwerden könnten bemerkenswerterweise oft durch konsequente Anwendung nichtmedikamentöser Allgemeinmaßnahmen gebessert werden. Schönborn nannte aktiv- mobilisierende Bewegungstherapie, Balneotherapie, kochsalzreiche Kost, Kaffeegenuß, Tragen von Stützstrümpfen, operative Sanierung von Varizen und Psychotherapie bei chronischer Hypotonie.

Bei orthostatischer Hypotonie empfehle es sich, Alkohol, voluminöse Mahlzeiten, hohe Außentemperaturen, heiße Vollbäder oder Angst-, Ekel-, Schreck- und Schmerzsituationen zu meiden. Empfehlenswert sei Schlaf mit erhöhtem Kopfende, Tragen von Stützstrumpfhosen, Stehen mit gekreuzten Beinen, häufiger Standbeinwechsel unter Stehbelastung sowie isometrische Übungen.

Blutdrucksteigernde Pharmaka sollten eher als supportive Maßnahmen und - von Ausnahmen abgesehen - zeitlich begrenzt eingesetzt werden. Ihr Indikationsbereich umfaßt den krisenhaften akuten Blutdruckabfall, hartnäckige Formen einer chronischen Hypotonie und schwere Verlaufsformen von Dysautonomien mit orthostatischen Blutdruckkrisen und Synkopengefahr.

Indikationen, Kontraindikationen und ...

Schönborn nannte die pharmakologischen und pharmakokinetischen Daten sowie Kontraindikationen und Interaktionen von Antihypotonika (Alpha-Sympathomimetika: Norfenefrin, Midodrin; Beta-Sym-pathomimetika: Etilefrin, Amezinium, Gepefrin, Oxilofrin; Dihydroergotamin und Fludrocortison).

Die Behandlung hypotoner Kreislaufstörungen umfasst - so betonte er - je nach klinischer Manifestation notfallmäßige Erstmaßnahmen wie Flachlagerung mit „Autotransfusion" durch Anheben der Beine, Sicherung der Vitalfunktionen und gegebenenfalls Infusionen mit kreislaufstabilisierenden Pharmaka, Ursachenbekämpfung und eine symptomatische Therapie.

...Ursachenbekämpfung

Zur Ursachenbekämpfung zähle das Absetzen blutdrucksenkender Pharmaka und die Behandlung ursächlicher Krankheitsbilder wie beispielsweise Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Exsikkose, Blutverluste, endokrine Insuffizienzen und Polyneuropathien.

Neurokardiogene Synkopen - so Schönborn - machen die prophylaktische Gabe von Betablockern, Synkopen durch einen hypersensitiven Carotissinus die Versorgung mit einem Schrittmachersystem erforderlich.

Alpha-Sympathomimetika sind bei Hypotonie mit gesteigerter Sympathikusaktivität vorzuziehen, Beta-Sympathomimetika bei Hypotonie mit Zeichen eines verminderten Sympathikotonus. DHE und Kombinationen aus DHE und Etilefrin sind als universell einsetzbare und kostengünstige Alternativen zu den Sympathikomimetika anzusehen. Fludrocortison kommt nur bei schweren Verlaufsformen primärer Dysautonomien zum Einsatz. Top

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