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Hepatitis B und C

Infektionen unter Kontrolle?

Hepatitis B und C gehören zu den weltweit häufigsten Viruserkrankungen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO will beide Infektionen bis 2030 unter Kontrolle bringen. Angesichts der verfügbaren Therapieoptionen scheint dieses Ziel erreichbar zu sein.
Kerstin A. Gräfe
11.12.2019  08:00 Uhr

Rund 325 Millionen Menschen sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit chronischer Hepatitis B oder Hepatitis C infiziert. Vor diesem Hintergrund hatte die WHO 2016 ein ambitioniertes Projekt zur Bekämpfung dieser Erkrankungen aufgelegt. Ziel ist es, beide Infektionen bis 2030 einzudämmen. In einem Beitrag der aktuellen Ausgabe der DPhG-Mitgliederzeitschrift »Pharmakon« beleuchten Apotheker Julius Pollinger und Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, beide von der Goethe-Universität in Frankfurt am Main, vor dem Hintergrund der verfügbaren Therapien, wie nah man diesem Ziel gekommen ist.

Grundvoraussetzung ist, dass bis dahin 90 Prozent aller Fälle überhaupt identifiziert worden sind, und sich von diesen Patienten mindestens 80 Prozent einer Therapie unterzogen haben. Die derzeitige Statistik ist allerdings ernüchternd. So sind zum Beispiel von den aktuell geschätzten 71 Millionen chronisch Hepatitis-C-Infizierten nur 14 Millionen dia­gnostiziert und nur 1,1 Millionen erhalten eine Behandlung. Dennoch besteht angesichts der verfügbaren medikamentösen Optionen laut den Autoren eine berechtigte Hoffnung.

Zur Bekämpfung der Hepatitis B steht mit der Einführung einer Impfung in den 1980er-Jahren bereits das wirksamste Werkzeug zur Verfügung. Bis sich der Rückgang an Neuinfektionen allerdings auch in einem Rückgang der Hepatitis-B-assoziierten Sterblichkeit widerspiegelt, wird es der WHO zufolge noch etwa 20 bis 40 Jahre dauern. Ungeachtet dessen ist eine wirksame und gut verträgliche Therapie der bereits chronisch Infizierten weiterhin dringend nötig. Zur Verfügung stehen zwei Regime: eine Therapie mit pegyliertem Interferon-α und die bevorzugte Therapievariante bestehend aus Nukleosid- oder Nukleotidanaloga, die aktiv die Virusreplikation unterbinden.

Bei Hepatits C stellt sich die Situa­tion genau anders herum dar. Ein Impfstoff ist noch nicht in Sicht. Dagegen stellt die Entwicklung der direkt anti­viral wirksamen Substanzen (DAA), die auch eine chronische Hepatitis-C-Infektion in bis zu 95 Prozent der Fälle heilen, eine der größten pharmazeutischen Erfolgsgeschichten dar.

Leitliniengerecht wird bei fast allen Hepatitis-C-Typen und nahezu allen Krankheitszuständen eine Therapie mit DAA empfohlen, zumeist in Form einer Kombination. Viele davon sind bereits als Fixkombination verfügbar. Das Kernstück der meisten Therapie­regime ist Sofosbuvir, ein nukleosidischer Inhibitor der NS5B-Polymerase. Er wird meist mit einem zweiten Wirkstoff kombiniert, entweder mit einem Inhibitor der viralen Protease NS3/4A wie Simeprevir und Voxilaprevir oder mit einem NS5A-Hemmer wie Daclatasvir, Ledipasvir und Velpatasvir.

Einige dieser Präparate sind auch noch in Kombination mit Ribavirin verfügbar. Den Autoren zufolge scheint hier aber kein bedeutender Zusatznutzen vorzuliegen. Bei vorhandenen Komorbiditäten könnte die Kombination mit Ribavirin allerdings überlegen sein, so ihre Einschätzung.

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