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Gerüchte

28.10.1996  00:00 Uhr

-Wirtschaft & Handel

  Govi-Verlag

Gerüchte
Pharmabörse

  Der bereits seit mehr als sechs Jahren anhaltende Aufwärtstrend an den Börsen der Welt geriet in der vorletzten Oktoberwoche ins Stocken. Wieder leicht steigende Kapitalmarktzinsen waren die Ursache dafür, daß die Anleger in zahlreichen Aktien zuvor angefallene Kursgewinne realisierten. Einzelne Pharmawerte erreichten auf der anhaltend hohen Fusionswelle erneut Rekordmarken. Dabei sorgten Gerüchte über neue Firmenzusammenschlüsse vereinzelt für kräftige Kursgewinne.

Hiervon war an der Londoner Börse erneut Zeneca betroffen, wo Analysten weiter auf ein Übernahmeangebot durch die schweizerische Roche Holdings spekulieren. Zeneca-Vorstandschef David Barnes hatte zudem erklärt, das Unternehmen strebe in den nächsten fünf Jahren einen durchschnittlichen jährlichen Gewinnanstieg von 15 Prozent an. Zeneca will bei Krebsmitteln bis Anfang des nächsten Jahrtausends Weltmarktführer werden
Nachdem bekannt wurde, daß ein deutsches Chemieunternehmen angeblich Interesse an einer Übernahme der norwegischen Nycomed haben soll, zog diese Aktie an der Börse in Oslo kräftig an.

Merck Darmstadt plant die Übernahme der KMF Laborchemie, die 1995 einen Umsatz von mehr als 50 Millionen DM erzielte. Merck hat darüber hinaus die Investition von umgerechnet 15 Millionen US-Dollar in ein Forschungsunternehmen mit der 3-Dimensional Pharmaceuticals angekündigt.
BASF plant mit der amerikanischen Biotechgesellschaft Lynx Therapeutics die Gründung eines 51-zu-49-Gemeinschaftsunternehmens. In das Unternehmen, das seinen Sitz in Heidelberg haben soll, will BASF 100 Millionen DM investieren. Mit einem Börsengang innerhalb der nächsten fünf Jahre rechnet die BASF-Unternehmensleitung nicht.
An der Börse in Paris schob sich die Roussel-Uclaf-Aktie mit einem weiteren markanten Kursgewinn in den Vordergrund des Anlegerinteresses. Auch hier spekuliert die Börse nach wie vor auf eine Abfindung durch den Großaktionär Hoechst.
In Österreich ist Fresenius auf Einkaufstour gegangen, indem von der Raiffeisenzentralbank eine Mehrheitsbeteiligung an der Laevosan übernommen wurde. Das Linzer Unternehmen erzielte 1995 einen Umsatz von umgerechnet 97 Millionen DM.

Die Aktie von Bristol Myers Squibb stand zeitweise im Mittelpunkt des Geschehens in der Wall Street, weil der mit 1,60 (nach 1,36) US-Dollar je Aktie gemeldete Gewinn über den Schätzungen der Analysten lag. Positiv wurde an der Börse vermerkt, daß der Umsatzrückgang mit dem Herzmittel Capoten durch andere Produkte mehr als aufgefangen werden konnte.
Rhone-Poulenc Rorer steigerte diese Kennzahl von 0,61 auf 0,72 US-Dollar je Aktie. Bei der FDA hat das Unternehmen um die Genehmigung für neue Anwendungsmöglichkeiten von Tilade (Asthma) und Nasacort AG (Allergische Erkrankungen) nachgesucht.
Einen Anstieg von 0,48 auf 0,56 US-Dollar je Aktie meldete Warner Lambert, wobei in den Zahlen des Vorjahres außerordentliche Erträge von 0,31 US-Dollar enthalten waren. Der von Eli Lilly vorgelegte Ertrag von 0,64 US-Dollar lag im Rahmen der Analysten-Erwartungen. Der Umsatz des Blockbuster-Medikaments Prozac (Antidepressivum) erreichte in den ersten neun Monaten dieses Jahres 1,75 Milliarden US-Dollar. Für das vierte Quartal erwartet das Management eine kräftige Steigerung der Umsätze aufgrund des kürzlich zugelassenen Schizophreniemittels Zyprexa.

Kanadas Biochem Pharma schaffte im dritten Quartal den Aufstieg in die schwarzen Zahlen. Im Zuge der erfolgreichen Einführung des MS-Mittels Avonex zeigte sich der Biochem-Aktienkurs von einer stärkeren Seite. Dies auch deshalb, weil das Unternehmen einen Aktiensplit im Verhältnis von 2 zu 1 angekündigt hat.

Die beiden künftigen Novartis-Partner Sandoz AG und Ciba Geigy AG meldeten für die ersten neun Monate dieses Jahres eine positive Umsatzentwicklung. Zuvor hatte Roche von einer Verbesserung auf 11,73 Milliarden Schweizer Franken berichtet, wobei der Pharmasektor ein 12prozentiges Umsatzwachstum erzielte.

Von 669 auf 756 Millionen Franc steigerte Rhone-Poulenc in den ersten drei Monaten 1996 den Nettogewinn. Der Umsatz wies eine Steigerung von 19,6 auf 20,5 Milliarden Franc auf.

PZ-Artikel von Jonas Dowen, New York
   

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