Pharmazeutische Zeitung online

Facettenreicher Lebensabschnitt

21.02.2005  00:00 Uhr

Facettenreicher Lebensabschnitt

Die demographische Entwicklung in Deutschland wird dazu führen, dass die Zahl der Rentenempfänger und Pensionäre bald größer ist als die der Arbeitnehmer. Dies wird für die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme ein großes Problem. Die Überlegungen, wie das System nachhaltig finanziell gesichert werden kann, laufen zurzeit. Noch stehen sich Bürgerversicherung und Gesundheitsprämie als zwei Pole gegenüber. Sie werden den Bundestagswahlkampf 2006 polarisieren, so dass eine vernünftige Lösung vor der Wahl sicher nicht gefunden wird.

Aber nicht nur in der Politik spielt die Vergreisung der Gesellschaft ein Rolle, auch im täglichen Leben und besonders bei der Arbeit in der Apotheke. Zwar waren Senioren schon immer die Hauptkunden der Apotheke, aber das Spektrum der Krankheiten und die Ansprüche der älteren Generation haben sich gewandelt.

Die Pharmazeutische Zeitung hat deshalb diese Ausgabe unter den Schwerpunkt Alter gestellt, um die vielen Facetten, die mit diesem Thema zusammenhängen, transparent zu machen. Im Prinzip kann auch der Integrationsvertrag zwischen der BEK, den Apotheken und Hausärzten als eine Antwort auf die Bedürfnisse der alternden Gesellschaft gesehen werden. Insbesondere für ältere chronisch kranke Patienten wird die intensivere Betreuung durch Hausapotheke und Hausarzt Vorteile und mehr Sicherheit bieten.

Ein weiterer Aspekt des Schwerpunktthemas ist die Demenz, die im Titelbeitrag auch unter dem Focus der sozialen Bedeutung dieser Erkrankung beleuchtet wird. Hier wird es immer deutlicher, dass die Apothekerin und der Apotheker die Rolle eines Case-Managers übernehmen könnte, der nicht nur dem Kranken, sondern auch seinen Angehörigen mehr Sicherheit im Umgang mit der Krankheit bieten kann.

Ein weiteres Thema ist die Ernährungsberatung älterer Menschen. Auch hier können Apothekerinnen und Apotheker noch aktiver werden. In keinem Lebensalter werden durch die Betroffenen selbst so viele Ernährungsfehler gemacht, wie im Seniorenalter.

Aus Sicht des Unternehmers Apotheker darf auch die Kaufkraft der Rentner und Pensionäre nicht außer Acht gelassen werden. Erst vor kurzem hat der Altbundespräsident Roman Herzog seinen Altersgenossen den Rat gegeben, nicht unbedingt ihr Vermögen zu vererben. Sie würden mit der dann fälligen Erbschaftssteuer nur den Staat alimentieren. Das wäre gleichzusetzen mit Geldvernichtung. Er empfahl vielmehr, das Geld auszugeben und damit die Binnennachfrage und das Wirtschaftswachstum zu steigern. Das darf natürlich nicht als Aufforderung missverstanden werden, den Senioren mit minderwertiger Ware das Geld aus der Tasche zu ziehen. Doch bietet die Apotheke zahlreiche Produkte und Dienstleistungen, die exakt auf Bedürfnisse älterer Kunden zugeschnitten sind. Selbstverständlich ist auch hier eine individuelle Beratung in vielen Fällen unerlässlich.

Professor Dr. Hartmut Morck
Chefredakteur
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