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Auswertung: Cannabis wirksam bei Schmerzen

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Auswertung: Cannabis wirksam bei Schmerzen
 


Mit der Cannabis-Therapie hat man in der Schmerzmedizin in Deutschland gute Erfahrungen gemacht. Zu diesem Fazit kam Privatdozent Dr. Michael Überall, Präsident der Deutschen Schmerzliga, auf dem Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt am Main. Das zeige eine Analyse von «Echt-Welt-Daten» aus einem Patientenregister.

Vor einem Jahr wurde die Verschreibung von Cannabis zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung ermöglicht. Während der Einsatz von Cannabinoiden in der Neurologie, vor allem zur Behandlung von Spastiken bei Multipler Sklerose gut untersucht sei, gab es bislang kaum Anwendungserfahrungen zu Cannabinoiden bei Schmerzpatienten. Überall wertete daher die Daten von mehr als 1200 Patienten aus, die in der Datenbank «Praxisregister Schmerz» der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) dokumentiert waren und mit Cannabinoiden behandelt wurden.

 

Die große Mehrheit der Patienten, die Cannabinoide erhielten, wiesen auf der Schmerzskala nach Korff, die von 1 bis 4 reicht, die Schweregrade 3 oder 4 auf. «Das sind chronische Schmerzen im dysfunktionalen Bereich», so Überall. Die Daten zeigten, dass es sich bei den mit Cannabinoiden Therapierten um Schwerstbetroffene handele, die eine hohe Schmerzintensität, starke Funktionseinschränkung, verminderte Lebensqualität und einen extrem hohen Stresslevel aufweisen.

Der Analyse zufolge sprachen die meisten Patienten gut auf eine Cannabinoid-Therapie an. 70 Prozent erreichten ihr individuelles Therapieziel, sagte Überall. «Bei diesem schwerkranken Kollektiv ist das sehr viel», so der Mediziner. Bei 83 Prozent der Patienten sank die Schmerzlast um 30 Prozent, zudem erreichten 70 Prozent der Behandelten ein normales Stressniveau. Diese Daten zeigten, dass Cannabinoide einen festen Stellenwert in der Schmerztherapie erhalten sollten. Dabei sind Fertigarzneimittel gegenüber anderen Präparaten zu bevorzugen, betonte Überall. Zugelassen sind in Deutschland nur das Oromukosalspray mit dem Wirkstoff Nabiximols (Sativex®) zur Behandlung von Spastiken bei MS und Nabilon (Canemes®) zur Behandlung von erwachsenen Krebspatienten mit Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie. Die Anwendung bei Schmerzen erfolgt off Label.

Am ungeeignetsten sei die Therapie mit Blüten der Cannabis-Pflanze. «Wenn man es unsicher machen will, verordnet man Blüten», so Überall. Hier gäbe es mittlerweile eine Vielzahl von Anbietern, deren Produkte man hinsichtlich des Cannabinoid-Gehalts nicht abschätzen könne. Bei Blüten sei keine standardisierte Dosierung möglich, es gäbe keine Zulassungsstudien und keine Zulassung. Zudem müsse der Arzt auf der Verordnung angeben, wie die Blüten zu verarbeiten seien, ob sie etwa in Öl erhitzt oder geraucht werden sollten.

Auch aus wirtschaftlicher Sicht seien Blüten die ungünstigere Option. Die Tagesdosiskosten bezifferte Überall für Nabiximols auf 12,40 Euro, für Blüten auf 83,60 Euro und für Nabilon auf 102,60 Euro. Von den 1200 mit Cannabinoiden behandelten Schmerzpatienten des Praxisregisters hatten 800 Nabiximols erhalten, berichtete Überall auf dem vom Herstellerunternehmen Allmiral unterstützten Symposium. (ch)

Lesen Sie dazu auch

Cannabisblüten: Im ersten Jahr 44.000 Einheiten abgegeben, Meldung vom 08.03.2018

Cannabis: Blüten rauchen ist keine Lösung, Meldung vom 14.09.2017

Cannabis: Fertigarzneimittel bevorzugen, Meldung vom 17.03.2018

Wirkstoffprofile Tetrahydrocannabinol und Cannabidiol|Sativex®|64|2011 und Nabilon|Canemes®|14|2017 in unserer Datenbank Neue Arzneistoffe

 

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09.03.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Africa Studio

 

 

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