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Darmkrebs: Familiäres Risiko entspricht nicht Genetik

 

Darmkrebs bei direkten Angehörigen lässt auf ein erhöhtes Risiko für diese Krebsart schließen. Erkrankt ein Verwandter ersten Grades (Eltern, Geschwister) an Darmkrebs, verdoppelt dies die Wahrscheinlichkeit selbst zu erkranken. Auch eine hohe Anzahl genetischer Risikomarker im Erbgut weist auf ein erhöhtes Risiko hin. Das eine hängt aber nicht unbedingt mit dem anderen zusammen, fanden nun Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in der DACHS-Studie mit etwa 4500 Teilnehmern heraus. Die Ergebnisse wurden im Januar im Fachjournal «Clinical Epidemiology» veröffentlicht.

Es wird häufig vermutet, dass die familiäre Häufung von Darmkrebs in erster Linie genetisch bedingt ist. «Das ist für einen kleinen Teil der Darmkrebsfälle, insbesondere für Erkrankungen in sehr jungem Alter, auch zutreffend», sagt Studienleiter Hermann Brenner. Für die Mehrzahl der Darmkrebserkrankungen ist dies aber nicht der Fall. Das könnte seiner Meinung nach daran liegen, dass Krebsfälle in der Familie vor allem gemeinsame nicht-genetische Faktoren reflektieren wie etwa Rauchen oder eine körperlich inaktive Lebensweise, heißt es in einer Pressemitteilung des DKFZ.

Eine hohe Anzahl genetischer Risikomarker steigert dagegen gleichermaßen das Darmkrebsrisiko, unabhängig von Darmkrebsfällen im engeren Familienkreis. Einzelne solcher Single-Nucleotid-Polymorphismen (SNP) beeinflussen das Krebsrisiko kaum, in der Gesamtheit kann der Einfluss jedoch gravierend sein. So hatten die Studienteilnehmer, die die meisten SNPs aufwiesen ein dreifach erhöhtes Darmkrebsrisiko im Vergleich zu Probanden mit der geringsten Anzahl an Risikovarianten. Kam eine familiäre Vorbelastung hinzu, hatten sie ein sechsfach höheres Risiko als Personen mit wenig SNPs und ohne Darmkrebs bei direkten Angehörigen. Zwischen der Zahl der genetischen Risikovarianten und der Familiengeschichte fand sich jedoch kein signifikanter Zusammenhang.

Statt wie bislang die beiden Faktoren alternativ zur Risikovorhersage zu verwenden, sollten sie besser kombiniert werden, folgern die Forscher um Erstautor Korbinian Weigl. «Das Ergebnis zeigt uns eindeutig, dass die Kombination beider Faktoren das Potenzial hat, die Risikovorhersage für Darmkrebs erheblich zu präzisieren», fasst Brenner zusammen. «Je genauer wir das persönliche Risiko bestimmen können, desto besser können wir die Vorsorge anpassen. Für Menschen mit hohen Risiken wäre es beispielsweise sinnvoll, mit der Darmkrebs-Vorsorge deutlich vor dem 50. Lebensjahr zu beginnen.» (dh)

DOI: 10.2147/CLEP.S145636

 

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27.02.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Yodiyim