Die Zeitschrift der deutschen Apotheker

 

Pharmazeutische Zeitung

 

PTA-Forum

 

PZ-Akademie

 

DAC/NRF

 

 

 

Mukositis: Hilfe bei Sonnenbrand im Mund

NACHRICHTEN

 
Mukositis: Hilfe bei Sonnenbrand im Mund
 


Die Entzündung der Mundschleimhaut (Mukositis) ist eine Nebenwirkung der Krebstherapie, unter der jeder fünfte Krebspatient leidet. Abhängig von der Krebsart oder der Behandlungsform sind deutlich mehr, nämlich teilweise bis zu 100 Prozent der Patienten betroffen. «Die Mukositis wird manchmal auch als Sonnenbrand des Mundes bezeichnet», sagte Privatdozent Dr. Martin Hug (Foto) von der Apotheke des Universitätsklinikums Freiburg beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming. Diese Bezeichnung mache deutlich, wie ungemein schmerzhaft die Erkrankung ist.

 

Eine gute Supportivtherapie kann die Beschwerden lindern und ist daher unerlässlich. Zur vorbeugenden Befeuchtung der Mundschleimhaut kommen häufig Medizinprodukte, etwa mit Carboxymethylcellulose oder tierischem Muzin, zum Einsatz, aber auch Präparate mit ätherischen Ölen hätten sich bewährt. «Salbei wirkt manchmal Wunder, kann aber bei einer beginnenden Mukositis schmerzhaft sein», informierte Hug. Orale Antiseptika wie Benzydamin, Octenidin oder Povidon-Iod beziehungsweise – bei Pilzbefall – Antimykotika wie Amphotericin B oder Nystatin sollen Infektionen vorbeugen beziehungsweise entgegenwirken.

 

Die Leitlinie der multinationalen Vereinigung zur supportiven Krebstherapie (MASCC) empfiehlt Lösungen mit Benzydamin, das neben seiner antiseptischen auch eine lokalanästhetische Wirkung hat. «Leider ist dieser Wirkstoff in Deutschland als Tantum Verde® ausschließlich als alkoholische Lösung oder als Lutschtabletten mit ätherischen Ölen verfügbar. Der Alkohol reizt aber bei Patienten mit bestehender Mukositis die Mundschleimhaut stark», sagte Hug. Als Alternative empfahl der Referent die NRF-Rezeptur Wässrige Benzydaminlösung, wobei der Wirkstoff momentan als Rezeptursubstanz leider nicht lieferbar sei.

 

Daneben soll laut MASCC-Leitlinie auf eine ausreichende Analgesie geachtet werden. Diese erfolge lokal, zum Beispiel mit Benzydamin, Benzocain oder Lidocain. In schweren Fällen könne aber durchaus der topische Einsatz von Opiaten oder eine systemische Therapie nach Stufenschema nötig werden. (am)

 

25.01.2016 l PZ

Foto: PZ/Alois Müller

 

 

Das könnte Sie auch interessieren

 

 

Weitere Nachrichten

 


Cortison verbessert die Heilung – wenn das Timing stimmt

Systemische Corticosteroide können die Heilung von verletzten Sehnen verbessern, allerdings nur, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt gegeben...



Herzinfarkt: Gewebeschutz durch HDL-Injektion

HDL gleich «hab dich lieb» – diese Eselsbrücke zur Abgrenzung des kardioprotektiven HDL-Cholesterins vom schädlichen LDL-Cholesterin könnte...



BGH: Almased darf keine Preise diktieren

Die Firma Almased darf Apothekern keinen Mindestpreis für den Vertrieb ihrer Produkte vorschreiben. Das hat der...



OTC-Markt: Versender festigen ihre Position

OTC-Präparate bestellen Patienten immer häufiger im Internet. Im ersten Halbjahr 2017 verschickten Versandapotheken 63 Millionen Packungen...

 
 

Infektion: Körpereigener Marker zeigt, ob viral oder bakteriell
Der Einsatz von Antibiotika bei Infekten der oberen Atemwege ist nur bei bakteriellen Erkrankungen sinnvoll. Doch häufig fällt es schwer zu...

Regierung zu Reformen im Gesundheitssystem aufgefordert
Ärzte und Pfleger dringen auf Reformen im Gesundheitssystem durch die künftige Bundesregierung. Der Präsident des Deutschen Pflegerates,...

Hightech im Ohr: Hörgerät und Übersetzer in einem
Hörgeräte sollen demnächst mit Übersetzungsfunktion ausgestattet werden. Nutzer ohne entsprechende Fremdsprachenkenntnisse könnten sich...

WHO-Test: Doch keine Lungenpest auf den Seychellen
Die hochgefährliche Lungenpest ist auf den Urlaubsinseln Seychellen entgegen erster Vermutungen nicht bestätigt worden. Zehn Proben von...

Trump ändert Richtung: «Obamacare alles andere als tot»
Bei der Krankenversicherung «Obamacare» vollzog Trump dagegen überraschend eine Kehrtwende. Wenige Tage, nachdem er Versicherern staatliche...

Langzeitstudie: Zehn Jahre jünger durch Sport
Wer Sport treibt, ist motorisch gesehen im Schnitt zehn Jahre jünger als ein Bewegungsmuffel. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der...

UN: Jährlich 89 Millionen ungewollte Schwangerschaften
In Entwicklungsländern werden jedes Jahr etwa 89 Millionen Frauen und Mädchen ungewollt schwanger. Die Zahl der Abtreibungen schätzen die...

Stada: Neuer Kommunikationschef übernimmt zentrale Aufgabe
Stada hat einen neuen Kommunikationschef: Der gebürtige Innsbrucker Frank Staud (Foto) zeichnet seit dem 1. Oktober für sämtliche...

Studie: OTC-Werbung kann Selbstbestimmtheit stärken
Werbung für OTC-Arzneimittel kann Menschen dazu verhelfen, selbstbestimmter mit der eigenen Gesundheit umzugehen. Das haben Forscher der...

Arzneimittelversand: Doc Morris expandiert in Deutschland
Der niederländische Versender Doc Morris übernimmt den deutschen Online-Versender Eurapon mit Sitz in Bremen. Das gab die Zur-Rose-Gruppe,...

Gefährden neue Gesundheitsberufe die Patientensicherheit?
Die bayerische Landesärztekammer sieht Gefahren für die Patienten durch neue Gesundheitsberufe. Die Einführung beispielsweise eines...

Madagaskar: Zahl der Pest-Fälle binnen einer Woche verdoppelt
Die Zahl der Pest-Erkrankungen in Madagaskar hat sich innerhalb einer Woche mehr als verdoppelt. Inzwischen sind den Behörden zufolge 805...

Sartorius verpasst Jahresziele
Der Pharma- und Laborausrüster Sartorius rechnet nicht mehr damit, seine ursprünglichen Jahresziele zu erreichen. Der Umsatz werde 2017...

Noch mehr Meldungen...

PHARMAZEUTISCHE ZEITUNG ONLINE IST EINE MARKE DER

 












DIREKT ZU