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FIP-Report
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In vielen Ländern agieren Online-Apotheken ohne Vorschriften

E-Rezepte, Einsicht in digitale Patientenakten, Abgabe von OTC- und Rx-Arzneimitteln, Rabatte: Um die weltweite Tätigkeit von Online-Apotheken genauer analysieren zu können, hat der Weltapothekerverband FIP einen Report vorgelegt. Dessen Fazit: Bei der Regulierung von Online-Apotheken sollten sich die Länder weltweit besser vernetzen. Tatsächlich scheint es bei den nationalen Regelungen keinen roten Faden zu geben.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 13.01.2022  09:00 Uhr

Zugang ist nicht gleich Zugang

Zugang ist aber nicht gleich Zugang, sondern die Qualitäten unterscheiden sich. Dem Report zufolge haben nur öffentliche Apotheken in der Sonderverwaltungszone Hong Kong einen vollständigen Zugang zu den E-Akten, inklusive Leserecht für alle Bereiche, wohingegen andere Länder mit Zugang zum Beispiel nur die Medikationshistorie einsehen können. In nur zehn Prozent aller untersuchten Länder besteht für Apotheken demnach die Option, selbst etwas in die Patientenakten einzutragen; in den meisten europäischen Ländern haben Apotheken demnach zwar Lese-, aber keine Schreibrechte. Alle Befragten aus Afrika oder dem östlichen Mittelmeerraum gaben an, dass ihre Apotheken keinerlei Zugang zu digitalen Patientenakten hätten.

Wie Kundinnen und Kunden OTC-Arzneimittel digital erwerben können, ist in den untersuchten Ländern ebenfalls sehr unterschiedlich geregelt. Den Angaben zufolge ist das in den meisten Ländern nur über lokale Apotheken möglich, die eine Versanderlaubnis haben (61 Prozent). In 15 Prozent der Länder können Kunden demnach OTC bei eigenständigen Online-Apotheken bestellen, die nicht an lokale Apotheken angeschlossen sind. Ein Viertel kann OTC über die digitalen Vertriebskanäle zum Beispiel von Supermärkten beziehen. In 19 Prozent der untersuchten Länder aber ist der Online-Kauf von OTC komplett untersagt.

Unterschiedlich ist auch die Situation bei den Rx-Arzneien. In 41 Prozent der untersuchten Länder können verschreibungspflichtige Medikamente nur über lokale Apotheken mit entsprechender Versandlizenz abgegeben werden. In mehr als einem Drittel der Länder ist es generell verboten, Rx-Arzneimittel online zu verkaufen, während in einem (nicht konkret genannten) Land in der Region Westpazifik Rx-Mittel sogar über Drogerien und Supermarktkanäle online abgegeben werden dürfen.

Wie ist die Online-Abgabe von Rx-Medikamenten in den Ländern weiter geregelt? In einem Viertel der Länder ist dafür die Vorlage eines digitalen Rezepts vorgeschrieben, wobei 55 Prozent dieser Länder in Europa liegen. Anders sieht es in Nord- und Südamerika sowie in der Region Westpazifik aus: Hier kann es auch ausreichen, ein Foto der Verschreibung hochzuladen (in 16 Prozent der untersuchten Länder) oder das Rezept per Post an die Online-Apotheke zu schicken (9 Prozent). In einigen wenigen Ländern in Europa und auf dem amerikanischen Kontinent reicht es sogar, wenn Kundinnen und Kunden einen entsprechenden Fragenkatalog ausfüllen.

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