Laut Pharma Suisse fehlen in den öffentlichen Apotheken in der Schweiz vor allem Apothekerinnen und Apotheker mit einer Bewilligung zur selbstständigen Berufsausübung. Das erschwere es den Teams, die Öffnungszeiten in den Offizinen abzudecken und verschärfe insbesondere in ländlichen Regionen den Personalmangel, kritisiert der Verband. Für die wenigen Pharmazeuten mit Bewilligung steige die Arbeitslast ständig und führte während der Covid-19-Pandemie zu einer extremen Zusatzbelastung.
Hintergrund ist, dass in der Schweiz nur Apotheker mit einer kantonalen Berufsausübungsbewilligung (BAB) Leistungen zulasten der Krankenpflegeversicherung erbringen dürfen. Um die BAB zu erhalten, müssen sie seit Januar 2018 zusätzlich einen eidgenössischen Weiterbildungstitel erwerben. Dadurch können Apotheker aus dem Ausland und neu diplomierte Apotheker mit begonnener Weiterbildung die Kollegen mit einer solchen Bewilligung nicht mehr vertreten. In der Folge steht nicht genügend Personal zur Verfügung, um die längeren Öffnungszeiten abzudecken, warnte der Verband.
Um das zu ändern, fordert der Verband in einem Positionspapier, dass diplomierte Apothekerinnen und Apotheker ohne Bewilligung, jedoch mit mehrjähriger Erfahrung, das Recht haben sollten, die verantwortliche Apothekerin oder den verantwortlichen Apotheker mehrere Stunden pro Woche oder in bestimmten Perioden des Jahres zu vertreten. Das Gleiche solle für neu diplomierte Apotheker gelten, die gerade die Weiterbildung zum Fachapotheker absolvierten. Weiterhin fordert der Verband, dass auch ausländische Pharmazeuten mit anerkanntem Diplom und mehrjähriger Berufserfahrung die gleichen Rechte wie Schweizer Apotheker ohne Weiterbildungstitel haben sollten. Wenn sie die eidgenössische Weiterbildung in Offizinpharmazie absolvierten, sollten sie wie Apotheker mit Schweizer Abschluss behandelt werden, sofern sie über adäquate Sprachkenntnisse verfügen, so Pharma Suisse.
Um Fachkräfte zu gewinnen, hat der Schweizerische Apothekerverband im November zudem eine Kampagne zur Nachwuchsgewinnung gestartet. Die mehrjährige Kampagne mit dem Motto »Choose your impact« setzt laut Pharma Suisse insbesondere bei Schülern und Studierenden an. Ziel sei vor allem, junge Menschen für die Apothekenberufe zu begeistern. Weiterhin ziele die Kampagne darauf ab, den Nachwuchs auf dem Weg zum Abschluss enger zu begleiten sowie ausgebildete Fachkräfte im Beruf zu halten. Gezielt Fachkräfte in Deutschland oder im deutschsprachigen Ausland oder aus anderen europäischen Ländern anzuwerben, ist nicht die Intention der Kampagne, hieß es auf Nachfrage der PZ. Teil der Kampagne ist eine neue Website, auf der sich Jugendliche unter anderem in Videos über die Apothekenberufe informieren können. Außerdem erzählen Influencerinnen und junge Pharmazeuten, warum sie sich für den Apothekenberuf entschieden haben.
Auch in Deutschland bleiben viele Stellen in Apotheken unbesetzt. Viele junge Apotheker zieht es in die Industrie und in Klinikapotheken, so dass die Vor-Ort-Apotheken das Nachsehen haben. Gleichzeitig steigt das Durchschnittsalter der Inhaber und angestellten Approbierten in den Offizinen. Die ABDA prognostiziert daher bis zum Jahr 2029 eine mögliche Personallücke von bis zu 10.000 Fachkräften.