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»Impfen ist nicht unser Interesse«

Impfen in der Apotheke ist aus verschiedenen Gründen nicht im Interesse des Berufsstands. Das machte der Vorsitzende des Thüringer Apothekerverbands (ThAV) Stefan Fink am 17. November auf der Mitgliederversammlung in Erfurt deutlich.
Christina Hohmann-Jeddi
19.11.2018
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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe den Apothekern auf dem Deutschen Apothekertag ein Päckchen mit verschiedenen Angeboten präsentiert, so Fink. Noch sei nicht klar, was es alles enthalte. »Das werden wir genau prüfen«, so der ThAV-Vorsitzende.

Nicht im Päckchen müsste Finks Ansicht nach das von Spahn in Aussicht gestellte Impfen in der Apotheke sein. Dieser Vorschlag sei im Interesse der Pharmaindustrie, die den Absatz der Impfdosen erhöhen möchte. Die beiden Heilberufsgruppen Ärzte und Apotheker durch einen solchen Vorschlag gegeneinander aufzuwiegeln, sei »ein Geschenk, auf das man verzichten könne«. Zumal diese Option für Apotheker wenig lukrativ sei. Erfahrungen aus anderen Ländern hätten gezeigt, dass engagierte Pharmazeuten in ihrer Apotheke auf höchstens 100 verimpfte Vakzindosen pro Jahr kämen. Da könne man sich schnell ausrechnen, dass dies aus finanzieller Sicht ein wenig sinnvolles Angebot sei. »Impfen ist nicht unser Interesse.«

Definitiv im Päckchen müssten aber die Werkzeuge sein, die die Apotheker brauchen, um das elektronische Rezept zu verarbeiten. Dessen Einführung will Gesundheitsminister Spahn nun forcieren. Er plant eine entsprechende Gesetzesänderung, die bis spätestens 2020 greifen soll. Dann könnten Ärzte Patienten nicht nur telemedizinisch behandeln, sondern auch digital ein Rezept ausstellen. »Was passiert, wenn die Patienten die E-Rezepte dann auf dem Handy haben?«, fragte Fink. In welcher App landen sie dann? Hier müsste der Berufstand an Lösungen mitarbeiten, um nicht irgendwann außen vor zu sein.

Die ABDA werde sich Spahns Paket genau ansehen. Sie habe jetzt eine schwierige Abwägung vorzunehmen. Setze man auf das Rx-Versandhandelsverbot, sei das zwar das richtige Pferd, man könne aber trotzdem am Ende mit diesem verlieren, wenn das Gesetz nicht verabschiedet oder nach Verabschiedung vom Europäischen Gerichtshof wieder kassiert würde. Oder man setze auf ein Paket, das neben Geld und Strukturveränderungen vor allem auch eine sogenannte SGB-V-Lösung enthalten müsse, sprich eine Preisbindungsklausel im Sozialgesetzbuch V . Gerade die Strukturveränderungen könnten sich aber auch positiv auswirken. »Wir müssen auch die Chancen sehen, nicht nur die Gefahren«, sagte Fink.

 

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