Pharmazeutische Zeitung online
Dreifach negativer Brustkrebs

Immuntherapie wird zur ersten Wahl

Der PD-L1-Antagonist Atezolizumab (Tecentriq®) darf ab sofort bei einer besonders aggressiven Brustkrebsform zur Erstlinien-Therapie eingesetzt werden. Hersteller Roche teilte mit, eine entsprechende Indikationserweiterung von der Europäischen Arzneimittelagentur erhalten zu haben.
Daniela Hüttemann
02.09.2019
Datenschutz bei der PZ

Atezolizumab (Tecentriq®) ist ein monoklonaler Antikörper, der direkt an den Programmed-Death-Ligand-1 (PD-L1) bindet. PD-L1 wird von Tumorzellen exprimiert und hindert die körpereigenen Abwehrzellen daran, den Tumor zu attackieren. Atezolizumab wirkt diesem Stopsignal entgegen und reaktiviert somit die antitumorale Immunantwort.

Bislang war der Arzneistoff als Therapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom sowie nicht kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) unter bestimmten Voraussetzungen zugelassen. Nun darf der Antikörper auch bei Brustkrebspatientinnen zum Einsatz kommen, wenn ihr Mammakarzinom dreifach negativ und lokal fortgeschritten oder metastasiert ist (mTNBC). Voraussetzung ist, dass die tumorinfiltrierenden Immunzellen PD-L1 exprimieren, was zuvor getestet werden muss. »Tecentriq ist damit die erste zugelassene Krebsimmuntherapie in dieser Indikation, die insbesondere im lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Stadium besonders aggressiv verläuft«, betont Hersteller Roche in einer Pressemitteilung.

Atezolizumab rückt dabei direkt in die Erstlinien-Therapie vor und soll mit Chemotherapie (nab-Paclitaxel) kombiniert werden. Die Hinzunahme des Antikörpers verlängerte in Studien das Gesamtüberleben der Patientinnen um sieben Monate gegenüber der Chemotherapie allein. Das Mortalitätsrisiko sank um 29 Prozent. Mehr als die Hälfte der Probandinnen war nach zwei Jahren noch am Leben (51 versus 37 Prozent im Vergleichsarm). Roche spricht von einem »Wendepunkt in der Therapie des mTNBC«.  

Durch die Hinzunahme des Krebsimmuntherapeutikums zur etablierten Chemotherapie muss das Nebenwirkungsmanagement angepasst werden. Typische unerwünschte Wirkungen des Antikörpers sind Pneumonitis, Kolitis und Hautausschläge, die teilweise noch Monate nach Therapieende auftreten können. Immunvermittelte Nebenwirkungen sollten möglichst früh behandelt werden.

Atezolizumab bei weiteren Lungenkrebsformen

Roche teilte zudem Ende der Woche mit, dass es zwei weitere Zulassungserweiterungen bekommen hat. So darf Atezolizumab nun auch in Kombination mit Etoposid und Carboplatin beim kleinzelligen Lungenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium („extensive stage“, ES-SCLC) eingesetzt werden. Ebenfalls neu ist die Kombination  mit Chemotherapie (Carboplatin und nab-Paclitaxel) für Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) mit nicht-plattenepithelialer Histologie (Stadium IV).

Mehr von Avoxa