| Brigitte M. Gensthaler |
| 03.03.2026 09:00 Uhr |
Teizeild sollte mit Vorsicht verabreicht werden bei Patienten mit einer Komedikation, die erhebliche Leberfunktionsstörungen und Zytopenien auslösen kann, sowie bei Patienten, die andere Immunmodulatoren erhalten.
Der Antikörper kann die Wirksamkeit von Impfstoffen verringern. Daher sollten alle altersgerechten Impfungen vor Behandlungsbeginn verabreicht werden. Inaktivierte oder mRNA-Impfungen werden innerhalb von zwei Wochen vor Beginn sowie während und bis zu sechs Wochen nach Abschluss der Behandlung nicht empfohlen. Für attenuierte Lebendimpfstoffe sind die Wartefristen noch länger: innerhalb von acht Wochen vor sowie während und bis zu 52 Wochen nach Abschluss der Therapie.
Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und für 30 Tage nach der letzten Teplizumab-Dosis zuverlässig verhüten. Ohne Konzeptionsschutz wird die Antikörpergabe nicht empfohlen.
Der Antikörper Teplizumab ist als großer Fortschritt und Sprunginnovation einzustufen. Es ist die erste immunmodulatorische Therapie bei Typ-1-Diabetes. Zwar lässt sich der Übergang von Prädiabetes zu manifestem Diabetes Typ 1 damit nicht verhindern, aber signifikant hinauszögern. Die Zulassungsstudie zeigt, dass die Patienten in der Placebogruppe im Durchschnitt nach 25 Monaten von Stadium 2 zu Stadium 3 übergegangen waren, unter Teplizumab aber erst nach 50 Monaten, also gut zwei Jahre später.
Teplizumab bindet an das CD3-Protein, das Teil des T-Zell-Rezeptor-Komplexes ist. Das führt vermutlich zur Deaktivierung von autoreaktiven T-Lymphozyten, die die Betazellen der Bauchspeicheldrüse angreifen, und zur Erhöhung von regulatorischen Zellen, die die Autoimmunreaktion dämpfen.
Der Name des Fertigarzneimittels in den USA (Tzield®) wurde in der EU zu Teizeild® abgewandelt. Das ist bedauerlich, weil der US-amerikanische Name besser passt: Das »zield« im Wort soll an das englische Wort »shield« für Schutz oder Abschirmung erinnern. Teplizumab schützt die Betazellen vor autoreaktiven T-Lymphozyten.
Die Markteinführung von Teplizumab ist ein weiteres Argument für eine flächendeckende Einführung von Früherkennungsprogrammen für Typ-1-Diabetes. Eine Früherkennung mit Monitoring kann dazu beitragen, akute Komplikationen wie eine diabetische Ketoazidose bei Manifestation zu vermeiden. Sie ermöglicht aber auch die Identifikation von Personen, die für eine Teplizumab-Therapie infrage kommen und von dieser maximal profitieren würden.
Gespannt darf man sein, wie es mit Teplizumab und anderen immunmodulierenden Therapien bei Typ-1-Diabetes weitergeht. Teplizumab ist erst ab acht Jahren zugelassen. In diesem Alter hat der Autoimmunprozess in vielen Fällen längst begonnen. Eine frühere Therapie hätte also womöglich noch bessere Effekte.
Sven Siebenand, Chefredakteur